107
der Verfasser hinarbeitet. Aber in der Ausführung des Einzelnen ist vieles Glänzende, und das Bnch wird immer ein merkwürdiges Denkmal unsrer gegenwärtigen politischen Literatur bleiben.
Der gegenwärtige Stand der Zollfrage.
Man ist in Deutschland an die Uuschlnssigkeit der preußischen Regierung so gewöhnt worden, daß selbst nach dem entscheidenden Schritt, nämlich nach der Einberufung derjenigen Regierungen, die sich für das preußische Programm erklärt hatten, mit Ausschluß der Coalitiousstaateu, noch immer die Meiuuug verbreitet war, Preußen köuue wieder zurückgebe». Wir wollcu auch gern zugeben, daß eine corrcctere Form in dew Verhandlungen hätte beobachtet werden können und sollen. Nachdem die Coalitionsregiernngen den ihnen von der preußischen Negierung gestellten Präclnsiotermin nicht eingehallen hatten, hätte ihnen preußischer SeitS officiell angezeigt werden sollen, daß man demnach die vorbereitenden Unterhandlungen als abgebrochen betrachte. Mit Recht wird nun von den Cvalitions- blättern darauf hingewiesen, daß nach dem 17. September kein neues Factum eingetreten ist, den Bruch zu motivircu. Ein blos stillsckweigeudeS Abbrechen bestehender Verhandlungen dürfte aber mit den gewöhnlichen diplomatischen Firmen nicht vereinbar sein. Wir geben, wie gesagt, diese Einwendungen gegen die Correctheit der Form gern zn, müsseu aber behaupten, daß in der Sache damit nichts geändert wird, am allerwenigsten aber sind die Coalitionsblätter in der Lage, sich über Maugel an Form von Seite Preußeuö zu beschweren, da sie vorher Alles gethan haben, um die Ehre der preußischen Regierung mit Hohn uud Spott zn überhäufe», und wenn auch eine verständige Regierung auf Formlosigkeiten der Presse nicht viel Gewicht legen wird, so lag hier doch ein ganz anderer Fall vor, da die Beleidigungen in Oestreich von einer abhängigen und inspirirten Presse ausgingen.
Allein diese diplomatischen Bedenken sind hier durchans Nebensache. Das Ereigniß, welches jetzt eiugetreteu ist, mußte gleich zu Anfang der Cvnfcrenzen mit Bestimmtheit erwartet werden, wenn man nicht hätte annehmen wollen, daß ans der einen oder ans der andern Seite eine bloße Großsprecherei ohne allen Jlchalt und allen Zweck stattfand. Die Sache liegt vielmehr jetzt so einfach "und naturgemäß, daß man den kriegerischen Eifer der CoalitionSblätter gar nickt begreifen würde, wenn man nicht eben annähme, daß sie vorher blos auf Preußens Waukelmuth speculirt habeu.
Preußen hat im September mit Hannover und Oldenburg einen Zollverein
14* ,