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Victor Hugo mnd Napoleon.
Von dem in Frankreich und Belgien mit so großer Begierde verschlungenen Buch: Napoleon der Kleine, von Victor Hugo, ist so eben eine deutsche Ucber- setzung von Savoye erschienen <Gera, Kanitz). Abgesehen von dem Inhalt, in dem wir diesmal, einige Uebertreibungen abgerechnet, ganz auf Seite des alten Romantikers stehen, auf eine Weise stehen, wie wir eö bei den diplomatischen Verhältnissen Deutschlands'znm Auslande nicht mehr ausdrücken dürfen, finden wir in diesem Buch eine Fülle von Geist nnd Scharfsinn, die eigentlich bei V. Hugo nie ganz fehlen, wenn er nicht wie ein eitles Weib mit seinem Schatten coquettirt; aber im Ganzen macht das Buch doch einen nnbebaglichcn Eindruck. Was V. Hugo trotz seines unbestreitbaren Talents sowol in seinen dramatischen wie in seinen lyrischen Versuchen verhindert hat, etwas Genügendes zu leisten, das tritt auch seiner politischen Laufbahn in den Weg. Man wird sich, noch daran erinnern, wie in den Debatten der aufgelösten Nationalversammlung V. Hugo's Augrisse gegen die reactionaire Politik stets die schärfste nnd bitterste Erwiderung fanden, wie Montalembert mit seiner gewölmlichen Frechheit ihm die schlimmsten Injurien in's Gesicht schlenderte, obne daß auch nur irgeud ein erheblicher Theil der Versammlung sich des Gekränkten annahm. Der Grund, daß die verschiedenen politischen Ansichten, denen er während seines Leben gehuldigt, eine günstige Gelegenheit zn beißenden Epigrammen darboten, reicht allein nicht ans; denn einmal sind die Franzosen so an politischen Wankelmnth gewöhnt, daß, wenn zwei unter ihnen sich über polnische Cvusequeuz unterhalten, sie sich eben so wenig wie die Auguren des Cicero des Lachens enthalten können; sodann ist man in Paris geneigt, einem Dichter Alles zn "verzeihen. Der Grnnd liegt vielmehr darin, daß V. Hngo niemals in der Sache ist, sondern stets ein eitles Spiel mit seinem eigenen Witz' nnd seiner eigenen Phantasie treibt. Man merkt zn sehr bei ihm berans, daß der Einfall, der Contrast, der Effect bei ihm die Hauptsache sind, und daß' die Gegenstände sich diesem snbjectiven Bedürfniß sügeu müssen. Um eine gute Antiihese hervorzubringen, kommt es ihm nicht darauf an, aus einem Lehnstnhl eine Barricade uud aus eiuem Federmesser einen Dolch zu machen. Wenn es bei anderen französischen Schönrednern z. B. bei Lamartine, im Grunde der nämliche Fall ist, so wissen sie es wenigstens geschickter zn verbergen und geben sich keine so handgreiflichen Blößen. V. Hngo gebraucht den Witz nicht, er ist ein Sclave des Witzes, uud so ist es ihm auch bei diesem Bnch gegangen. ES ist zu rhetorisch, zu pikant, zu geistreich gehalten, um auf Unbefangene die Wirkung auszuüben, die es doch beabsichtigt. Man amusirt sich zu sehr dabei, um sich in die Stimmung zu versetzen, ans die