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Berliner Eindrücke
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Berliner Eindrücke.

Wenn man Berlin nach einiger Zeit znm ersten Mal wiedersieht, macht es trotz aller Einwendnngen den Eindruck einer schönen Stadt. Zwar hat man ganz mit Recht hervorgehoben, daß der Mangel einer günstigen Natnr und einer or­ganischen geschichtlichen Entwickelung sich durch nichts ersetzen läßt, daß, mit Aus­nahme der alteren Stadttheile an der Spree, die ganze Residenz so aussteht, wie etwas Gemachtes; allein wir werden doch allmählich dahin kommen, den histori­schen Charakter einer Stadt nicht nach ihrem historischen Stillleben abzumessen. Daß man in unsrer Zeit, wo die natürlichen Bodenverhältnisse nicht eine andere Richtung vorschreiben, die Straßen gerade und breit baut und nicht'in labyrin­thischen Verwickelungen, dürfte wol ebeu so gerechtfertigt sein, als daß man den Boden, wo-er theuer ist, so stark als möglich zu verwerthen sucht, daß man also die Häuser hoch baut. Daß ferner die neuen Stadttheile mit einer gewissen un­ruhigen, geschäftsmäßigen Hast und nach einem einförmigen Plan auf Specula- tivn aufgeführt werden, dürfte bei dem jährlichen Zmvachs von etwa 13,000 Menschen eben so in der Natnr der Sache begründet sein. Gegen den Banstyl, der in diesen neuen Unternehmungen vorwaltet, läßt sich allerdings vieles Er-, hebliche einwenden. Er erinnert einestheils an die Casernen, die ihm als Vor­bild gedient haben, nnd andererseits in dem unruhigen Experimentiren seiner Verzierungen an jene Zeit, wo man die schöne Form nicht ans dem Natur­gemäßen herleitete, sondern sie als etwas Aeußeres, Willkürliches hinzutreten ließ, und darum die Muster auö den allerentgegengesetztesten Stylarten entlehnte. Allein einerseits hat die energische elastische Sicherheit, mit der diese neuen Arme der Weltstadt aus dem Boden hervvrwachsen und sich ausdehnen, schon an sich etwas JmponirendeS, andererseits vermißt man auch das immer wachsende Behagen nicht, welches aus der Unruhe und Unstätigkeit des immerwährenden Werdens allmählich zu eiuer gewissen Ordnung und Form leitet. Man denkt in den neuen Straßen schon hin nnd wieder daran, dnrch Bänme und dergleichen die Mono­tonie anmuthig zu unterbrechen. Zudem wird der naturgemäße Lauf der Ent­wickelung den Charakter des Gemachten allmählich auslöschen. Dieser Charakter spricht sich am widerwärtigsten in der grämlichen Maner aus, die Berlin lange vor seinem Entstehen eine unabänderliche Form zu geben bestimmt war, und die es in einen abstracten Schlacht- und Mahlstencrbezirk verwandelt hätte. Die Baulust hat nach diesen Schranken nicht gefragt; sie hat das Köpnicker Feld liegen lassen nnd sich nach dem Thiergarten hin ausgedehnt, der theils unmittel­bar, theils durch seine Nachbarschaft den gelangweilten Geschäftsstyl der langen Straßen unterbricht. Jetzt wird allmählich durch den Canal, an dessen Seite ein sehr hübscher Spaziergang nach Charlvttenbnrg führt, die Physiognomie der