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Wochenbericht.
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Josipvwitsch, hat in den Festungsmancrn von Knsstein eineVersorgung" gefunden; die übrigen antichambriren bei den Ministern in Wien um die Wette mit den Jllyriern und suchen anderweitige Versorgung, nämlich im Staatsdienste.

Die einzige Neuigkeit ist die bevorstehende Reise des Kaisers nach Kroatien, woran .die illyrischen wouldbeStaatsmänner" die mannichfaltigsten Hoffnungen anknüpfen. Diese Staatsmänner, welche durch drei Lustra Krieg mit den Magyaren predigten und die staatlichen Institutionen Ungarns ohne Verständniß uud Einficht nach dem Hören­sagen Andererbekämpften", erwarten jetzt die Wiederherstellung des Nexus mit Ungarn, die Restauration desLandtages," des Komitatsnnwesens, der Patrimonialgerichtsbarkeit, des UnterthanSvcrbandes und anderer Annehmlichkeiten der einst so geschmähten und jetzt wieder so gepriesenen ungarischen CoustitutionaliSmus. Das Characteristische an diesen Schwindeleien ist, daß sie sich zu einer Zeit ans Tageslicht wagen, wo der Kaiser, am Vorabende seiner Reise nach Ungarn und gleichsam als Spccimcn der angehofften Gnadcn- acte, den östreichischen Criminalcodex in Ungarn und dessen Nebcnländern einführte zum großen Verdrusse der gesammten dasigen Aristokratie und läblsbii'üKrÄtie, aber zum unsäglichen Heile von Millionen, deren Ehre, Freiheit und Leben der Willkür eines brutalen lüblsbirü-Collegium anheimgegeben war. Die Einführung eines Strafgesetz­buches, dessen Inhalt hier ganz gleichgiltig, ist der größte Fortschritt, den man seit fünfundzwanzig Jahren in Ungarn gemacht hat. Dies mag manchem problematisch scheinen, aber es wird buchstäblich als wahr anerkannt werden müssen von jedem, der mit den Annalen der ungarischen Rechtspflege anch nur einigermaßen bekannt ist.

In jüngster Zeit ist Kroatien der Ziclpunct einer eigenthümlichen Emigration ge­worden, nämlich jener der bosnischen Raja. Seit Omer Pascha's vor etwa zwei Monaten ersolgter Abberufung aus Bosnien strömen christliche Serbcnfamilien aus Bosnien nach der kroatischen Militairgrenze, welche sie aber nicht aufnehmen kann, indem sie kaum die Eingeborenen zu erhalten vermag. Die Auswanderer werden daher nach Provinzialkroaticn gewiesen und man muß es der Banatrcgierung Dank wissen, daß sie sich der Unglücklichen (welche beiläufig gesagt erst dann in die Fremde zogen, nachdem man ihnen das wenige Geld und Gnt, das sie hatten, wegnahm und endlich auch ihre Kinder als Sclaven verkaufen wollte) annahm und allsogleich Anstalten traf, daß sie aus großen Herrschaften im Lande Ansiedclungsplätze erhalten. Indessen aber hat sich die östreichische Regierung an die Pforte gewendet uud aus diplomatischem Wege ,sür die bosnische Raja intervenirt. Ob diese Intervention irgend welchen Erfolg haben werde, muß die nächste Zukunft lehren; fürchten aber muß man, daß der nächste Erfolg nur eine noch größere Erschwerung der Auswanderung sein werde, womit jedoch der Raja nicht gedient sein kann. Da der Serbe mit unsäglicher Liebe an der Heimath hängt, zum wenigsten aber ein Glücksjägcr ist, so darf man aus dem bloßen Factum dieser Auswanderung auf die völlige Uncrträglichkcir der jetzigen Zustände in der Türkei schließen, und es liegt im Interesse der Humanität, diese Auswanderung wenigstens nicht zu hemmen.

Trotz aller Ungunst der gegenwärtigen Verhältnisse fahren die Serben fort, ihre Literatur zu pflegen und zu fördern. Die in Belgrad bestehendeGesellschaft der Freunde der schönen Wissenschaften" (vruslüvo prijstsUs «rdsko slmvssrwssi") entfaltet in Verbindung mit derSchulcommissim" eine erfreuliche. Thätigkeit. Der hauptsächlichste Augenmerk ist aus Abfassung von Schul- und Vorlcsebücher in serbischer Sprache gc-