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Die Fortschritte der katholischen Kirche.
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' Also nicht allein in den katholischen, sondern auch in den protestantischen Staaten hat man die Freiheiten der übrigen Unterthanen beschränkt, die Freiheit der Kirche dagegen erweitert. Man hat in dieser Beziehung die entgegengesetztesten Gesichtspunkte durcheinander gemischt, man hat bald im Sinn dcS Liberalismus, bald im Namen des conscrvativcn Princips sich der Kirche angenommen. Cha­rakteristisch ist die neueste Rundschau der Kreuzzeitung. Wir haben schon früher die Ansicht des Herrn v. Gerlach erörtert, daß Preußen nicht ein paritätischer, sondern ein evangelischer Staat sei, und haben ihr im Wesentlichen beigepflichtet. Er giebt dieser Ansicht jetzt aber eine ganz eigenthümliche Wendung. Nach ihm hat gerade die evangelische Kirche das größte Interesse, die katholische Kirche zn pflegen und zu stärken. Wir hatten früher geglaubt, daß das Papstthum, die Ehelosigkeit der Geistlichen, die Klostergelnbde, der Ablaß und andere sociale Einrichtungen, ganz abgesehen von den dogmatischen Unterschieden, Dinge wären, an denen jeder gute Protestant ein Aergerniß nehmen müßte, wenn er nicht die große weltgeschichtliche Bewegung, aus der seine Kirche hervorgegangen, überhaupt laugnen wollte. Wir finden die Polemik gegen den Rationalismus vom Staud­punkte der protestantischen Rechtgläubigkeit aus sehr begreiflich und gerechtfertigt, aber diese Toleranz nnd Humanität gegen ein in der Form wie im Wesen feind­seliges Glaubenssystem scheint uns ein sehr schlechtes Zeichen für die geistige Klarheit und die sittliche Ehrlichkeit dieser Orthodoxie, und wenn ans der andern Seite Herr v. Gerlach den Staat davor warnt, der drohenden Ausdehnung des Katholicismus irgend wie durch.äußerliche Mittel zu begegnen, und ihm räth; seinen Widerstand auf die immanente geistige Kraft seines Glaubens zn beschränken, so stim­men wir zwar vollkommen damit überein, müssen uns, aber doch wundern, daß er denselben Gedanken nicht auch auf die Maßregeln anwendet, die er gegen die Ketzer vorschlägt. Toleranz gegen die Mächtigen und Brutalität gegen die Schwa­chen, das ist ein Grundsatz,, der um so bedenklicher ist, je größern Anklang er voraussichtlich gerade in den Kreisen finden wird, auf die Herr v. Gerlach Ein­fluß ausübt.

Wochenbericht.

Aus Agram. Wenn Ihnen ihr Correspondent ein halbes Jahr nicht schreibt, mögen Sie überzeugt sein, daß der einzige Grund im Mangel an Stoff liegt. Selbst dieillyrische Literatur" diese galvanisirte Leiche ist spurlos verschwunden. Von unsern Magyaroncn ist eben so wenig etwas zu melden; die meiste.» derselben sind emigrirt" und was das Interessanteste an der Sache ist, diekroatisch-magyaronische Emigration" lebt in Wien und Gratz ruhig, friedlich, unangefochten. Der einzige Mann unter den vielen Schreihälsen dieser Faction, der turopoljer Landgraf Anton Daniel