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Einige Uebelstände in unsrem Theaterwesen.
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wenn man den Zweck der Theaterschulen ans diese Aeusierlichleiteu beschränken wollte, sv würde wol kein Verständiger -etwas dagegen einwenden könne», wie er sich auch die Art und Weise der Ausführung vorstellen möge.

Noch ein zweiter Zweck wird sich mit derselben Evidenz feststellen lassen, ob­gleich auch hier einer verständigen Regie die Hauptsache zu thun bleibt, nämlich die gewaltsame Ausrottung des manicrirten Wesens. An diesem Uebelstaud leiden unsre Bühucn auf eine wahrhast erschreckende Weise. Jeder Schauspieler hat irgend welche Töne, irgend welche Stellnngeu, irgend welche Geberden, durch die er einmal den Beifall des PnblicumS errungen, hat »nd in denen er sich selbst gefällt. Diese bestimmte» Tone werden nnn regelmäßig bei jeder passenden nnd nnpassenden Gelegenheit wieder angebracht und dadurch uicht blos der Künstler, sondern wenn er einiges Geschick befilzt, auch das Publicum demoralisirt. Am allcrschlimmsten ist cS bei einem wirklichen Virtuose», der sich uicht mit der einfachen Wirkung begnügt, sondern nach der verdoppelten Wirkung des Cvntra- stcs strebt. Er hat einmal durch ein Wimmern des tiefsten Schmerzes, ein an­deres Mal durch ein hysterisch wahnsinniges Gelächter, ein drittes Mal durch den Ton srecher, kalter Ironie dem Pnblieum imponirt, nnd findet eS nun höchst an­gemessen, so oft es irgend möglich ist, alle diese Effecte zu cvmbiniren. Da die Menge stets roh ist,' so wird diese Cvnlissenrcißcrei nie ohne Erfolg bleiben, während sie für den wirklich gebildeten Mann die unerträglichste unter allen er­denkbaren Geschmacklosigkeiten ist. Leider giebt unsre verwilderte Theaterliteratur dem Schauspieler nur zu häufig Gelegenheit, sich in derartigen Fratzen zu ergehen, , hier wird >es aber Sache der Theatcrschttle sein, dergleichen Verirrnugcn im Keim vorzubeugen, und Sache einer gebildeten Regie, sie mit Strenge zu uyter- drückcn.

Es hängt diese Verirrung mit einer fehlerhaften Richtung der Zeit über­haupt zusammen, auf die wir hier Mit einigen Worten eingehen müssen. Im Gegensatz zu dem Idealismus, der sowohl iu der französischen Klassicität, als iu der Goethe'schen Kunstperiode herrschend war, neigt mau sich jetzt zu der Anficht, das Princip der Knnst sei der Realismus, die Nachahmung der Natur. Es liegt in dieser Reaction einige Berechtigung, und das gilt auch für die Gebiete der Malerei und der bildenden .Kunst über­haupt. In jedem Idealismus liegt etwas Konventionelles. Die Begriffe des Schonen nnd Erhabenen werden an bestimmte Symbole geknüpft, die nur in der Meinung, nicht in der Wirklichkeit, das ausdrücke», was sie ausdrücken sollen. Im altfrauzösischen Theater nahm dieser Idealismus eine viel einseitigere Gestalt an, weil er auf einer wirklichen Einheit der sittlichen nnd ästhetischen Vorstellungen beruhte; aber eben darum war er auch wieder erträglicher, weil er gewissermaßen wieder zur Natur wurde. In Weimar dagegen sollten die idealen Vorstellungen sämmtlicher Volker uud Zeitcu, die Gegenwart und das deutsche Volk ausgenommen,