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Die Appenzeller Landsgemeinde : eine Grenzbotschaft. 1.
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um die sämmtlichen Genossen des Sondcrbundcs der unmittelbaren Oberhoheit des päpstlichen StnhleS zu übergeben, dessen weltlicher Statthalter natürlich abermals Oestreich wurde.

Einige Uebelstände in unsrem Theaterwese«.

Die nächste Veranlassung zu diesen Bemerkungen, die übrigens keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen, ist ein so eben erschienener Roman von Emil Walther: Knnst- und Licbesleben" (Dresden, Woldemar Türk.) Der Verfasser, ' Hofschauspieler in Dresden, hat sich znr Hauptaufgabe gesetzt, das Schauspieler- lebeu in seineu Licht- und Schattenseiten darzustellen. Das dramaturgische Intermezzo, welches er hinzufügt, ist daher nicht eine gleichgiltige Episode, sondern gehört wesentlich in den Organismus des Ganzen. Die Ansichten, die er darin ausspricht, stimmen in der Hauptsache mit denen überein, welche Eduard Devrient in seiner Geschichte des deutschen Theaters und in seiner Brochnre über die Theaterschnlcn entwickelt hat.

Eduard Devrient hat iu dem erstgenannten Werk, welches wir als wesent­liches Glied unserer Nationalliteratur ansehen, historisch nachgewiesen, daß die gewöhnlichen Vorstellungen von dem idealen Zigeunerleben der Schauspieler ans einem schwere» Irrthum beruhen, daß hinter jener anscheinenden Freiheit sich das kläglichste Eleud versteckt, und daß die Blüthe des Theaters nur da stattfand, wo ein geordnetes kleines Gemcindewesen den Schauspieler sowol in das Reich der Kunst, als in das Reich der gewöhnlichen bürgerlichen Sittlichkeit einführte, daß Unordnung niemals ein Zeichen der Kunst, sondern stets ein Keim uukünstle- rischer Verwilderung war. Er hat Versuche gemacht, diese Einführung des Schau­spielers in den Kreis der Studien uud des sittlichen Lebens ans eine systematische Weise zu betreiben. Wir müssen hier davon absehu, waö sich in den zufälligen äußeren Umständen diesem Vorhaben entgegenstellt, und zunächst nur die allgemei­nen Gesichtspunkte ins Auge fassen, die für diese Sache maßgebend sind. Wir betrachten zunächst das Theaterwescn von seiner künstlerischen, dann von seiner sitt­lichen Seite.

Jedem strebsamen und ehrlichen Freund der Kuust uuter den Schauspielern wird es häufig drückend' gewesen sein, daß seine Knnst nicht, wie z. B. Musik und Malerei, auf bestimmten technischen Voraussetzungen beruht, über die sich nicht weiter streiten läßt. Daher erklärt sich, abgesehen von den natürlichen Wir­kungen gekränkter Eigenliebe, die lebhafte Abneigung, welche gerade unter den besseren Schauspielern gegen die gewöhnliche Theaterkritik herrscht, und die sich auch in dem vorliegenden Roman auf eine etwas übertriebene Weise Lnst macht. Aller-