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Zustände des Oberharzes.*)
Die Bergleute.
Wenn der Reisende auf der Eisenbahn vvn Wolfenbüttel ans bis Vienen- burg gelangt ist und sich dvrt auf die Post oder in den „Harzomnibus" setzt, so erinnert ihn ein scharfer, schwefelartigcr Geruch, der iu dem hannöverschcn Dorfe Oker aus der dortigen Hütte hervordringt, zuerst daran, daß er im Begriff ist, in eine Gegend einzutreten, die für jede Beschäftigung, außer für Berg- und Hütteu- bau, abgestorben ist. Hinter Goslar schleppen ihn diese baufällige» Institute an wahrhast fabelhaften Höhen hinan, und der „Höhensinn", vvn welchem der Harzreisende in der Einleitung seines Reisehandbuches unmittelbar vor der Vorschrift, unterwegs nicht warm zu trinken, gelesen, daß er den Menschen vom Thiere unterscheide, feiert seinen schönsten Triumph. Die Post uud der „Harzvmuibus", der schon Hunderte armer Auswanderer vom Oberharze herunter bis au die Eisenbahn transvortirt hat, führen nns, wenn sie den steilsten Weg, die sogenannte alte Chaussee von Goslar nach Zellerfeld einschlagen, zunächst an den Schiefergruben vorbei, mit ihren drei mächtigen, vvn schlanken Tannen bewachsenen Eingängen, durch welche der Blick sich mühsam hindurch arbeitet, um in schwindelnder Ferne an dem sanber gehauenen Gestein die Menschen wie Vögel klettern zn sehen. Der Fuhriuanu vvm Harzvmnibns rancht seine Pfeife, peitscht ans seine Pferde, und bald sind wir oben in den nngcheucren Tannenwaldungen, iu denen sich nur hin, und wieder auch ein Ahorn- oder ein Vvgelbcerbaum findet. Ans dem Boden sieht man am Wege nur den Fingcrhut blühen. Endlich ist die höchste Spitze, > der Auerhahn — mitten im'Hannvvcrschen ein braunschwcigischer Punkt, was für die Stcnerverhältuisse von Wichtigkeit ist — erreicht, der Wagen schießt nnu eine gute Strecke weit bis Clausthal und Zellerfeld wieder an dem Gebirge hernnter, und wir befinden uns unter den Bewohnern des Obcrharzes. Er wird durch den Bruchberg in zwei Hälften getheilt. Südlich vvm Brnchberge liegt St. Andreasberg, nördlich liegen die Bergstädte: Alteuau, Zellerfeld, Clansthal, Wildemann, Lautenthal, Grund. Schon Otto I. hatte zur Ausbeutung des Rammelsberges Franken nach Gvslar gezogen. Viele derselben wandten sich vvn da nach dem Obcrharze, gründeten Zellerfeld, sandten Kolonisten ins Jnnerst- Thal, wvdurch Wildemann und Lantenthal in Aufnahme kamen. Andere gingen über deu Bruchberg und siedelten sich da an, wo jetzt St. Andreasberg steht.
Die Grenzbotcn brachten im vergangenen Jahre vom Verfasser, der onch eine kleine Schrift nnter dem Titel: „Ans dein Harze" (Leipzig,' Avenarins nnd Mendelssohn, 18!U) herausgab, eine Uebersicht über die Verhältnisse des gcsammten Harzes nnd seiner Bewohner.