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Oldenburger Zustände. 4.
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weniger aus freiem Antrieb, als auf Veranlassung eines Vorgesetzten, der den Gesang bei seinen Leuten als ein Culturmittel pflegt. Die Mehrzahl verhält sich dabei schweigend, denn es ist ihnen eine Arbeit mehr; und stimmt einmal Ei­ner ans eigene Faust eine frohe Weise au, so ist es ein Münsterländer oder ein Jude.

Kann der Oldenburger nicht singen, so kann er auch nicht fluchen: er ist zu ruhig dazu. Zu ausgeführten Verwünschungen, woran lebhafte Völker so reich siiid, fehlt ihm die Phantasie. Die wenigen Schimpfwörter, die er gebraucht, sind fast alle von den Fremden geborgt, wie Knjohn loowri), Kanaille, Beest. Plattdeutsche Schimpfwörter sind Donnerstag und Dummsnut (Dummschnanze, du dnmmer Schwätzer), wovon man besonders das erstere, das noch mit dem Gotte Thor oder' Donar zusammenhängen mag, auch als Ausdruck der Ver­wunderung hört. Sla mi de Donner! Gah na'n Satan! welche kurzen, zahmen, ich möchte sagen unschuldigen Formeln sind das nicht neben den nicht nur rein scherzhaften, sondern oft auch wirklich infernalischen, aber meist humo­ristischen Productionen, die wie ein Feuerwerk aus dem Munde der Italiener rauschen. Freilich hat Oldenburg auch keinen Pöbel, der natürlich das Fluchen vorzugsweise cultivirt. (Schluß folgt.)

Wochenbericht..

Pariser Botschaften. (Alfred de Musset.) Das Ereigniß der vergangenen Woche war die feierliche Aufnahme Alfred de Musset's in die Reihe der Akademiker. Die Erwartungen der herbeiströmende» Elite wurden nicht wenig getäuscht. Das neue Mitglied hat seine Ansprüche auf einen Stuhl im unsterblichen Senate voll­kommen gerechtfertigt: seine Rede war durchgeistigt von officiellcr Laugeweile und aka­demischer Unbedeutendheit. Nach den Demüthigungen, die man dem neuen Kandidaten Widersahren ließ, glaubte man hoffen zu dürfen, Alfred de Muffet werde seinen mühsam errungenen Sieg durch ein offenes Bekenntniß seiner Grundsätze und durch eine geist­reiche antiakademische Rechtfertigung seiner reinmodernen Richtung besiegeln. Es geschah Nichts von alle dem. Muffet beschränkte sich auf das vorgeschriebene Lob seines Vor­gängers, und in den wenigen Stellen, wo er den officiellen Kreis überschreiten zu dürfen glaubte, geschah es mit einer unbegreiflichen Taktlosigkeit. Man würde begriffen haben, wenn, der Günstling der orleauistischen Priuzeu einige Worte des Bedauerns hätte sallen lassen, aber daß er, der Verfasser der Lonlössions > 6'un kntgnt äu siools und des spsowele äsn« un tsuteuil, dem französischen Classicismus und dem Bonapar­tismus abgeschmackte Complimente machen, daß er, ohne allgemeines Gelächter hervor­zurufen, sagen dürfte, er gehöre nicht der romantischen Schule an, dies beweist, wie die Begriffe Romantik und Classicismus eben so wenig mehr ihre ursprüngliche Bedeu­tung haben, als Tory und Whig. Nisard hatte vollkommen Recht, sich von der frei­willigen Buße des neuen Mitgliedes der Akademie nicht beirren zu lassen. Er benutzte - > ' ' ' ' 59*