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Oldenburger Zustände.
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Man hat den Stamm der Friesen, welche bekanntlich die Küsten der Nordsee von der Südersee an bis nach Holstein und Schleswig bewohnen, häufig mit den Schweizern verglichen, und allerdings.findet sich auf beiden Seiten der gleiche Unabhängigkeitssinn, so wie auch ein Land, das dem Vertheidiger große Vortheile bietet, wodurch wiederum dieser Siun Festigkeit erhielt Deun wenn die Schweiz an ihren Alpen schwer zu überwindende Burgen besitzt, so gewährt auch die Marsch mit ihren zahllosen Sieltiefen und Schleusen, wodurch das Land leicht unter Wasser gesetzt werden kann, den Friesen ein treffliches Bollwerk. Beide Völkerstämme haben vom dreizehnten bis zum sechzehnten Jahrhundert der Fürstengewalt trotzig den tapfersten Widerstand geleistet, und wenn auch die Friesen, welche durch die Natur ihres Landes minder begünstigt waren, zuletzt erlageu, so habeu ihueu die Fürsten den stolzen Nacken doch nnr wenig gebeugt. Freiheit der Person und Freiheit des Eigenthums ging ihnen nicht verloren, und ihr alter Spruch: „Lieber todt als Sclave" ward nicht umgestoßen. Am bekanntesten ist der langjährige Kampf der Dithmarschen im Westen Holsteins gegen die Grafen von Holstein uud die Könige von Dänemark. Unter den oldcnburger Friesen sind es die Stedinger, welche die glorreichsten Thaten aufzuweisen haben. Stellt man aber die Frage, ob sich noch jetzt, wo diese Landleute, im Gegensatze zn den Schweizern, längst nicht mehr wehrbar sind, die Friesennatnr in ihrer alten Tüchtigkeit zeigt: so müssen wir in Bezug auf die oldenburger Marschbewohner Bedenken tragen, mit Ja zu antworte,,. Diese mit Sachsen stark vermischten Friesen stehen den Geestbewohnern des Herzvgthnms an körperlicher und sittlicher Tüchtigkeit nach, und zwar trifft dieser Tadel die butja- dinger Marsch zumeist. Hier wird der vierte, ja sogar der dritte Theil der Wehrpflichtigen als untauglich zurückgewiesen, während bei der Aushebung von 4 840 im Amte Steinfcld, der fruchtbarsten Gegend des oldenburgcr Münsterlandes, von neunzehn nur Einer nicht mit loste. Die geringe Rüstigkeit der Butjadinger er-, klärt sich einestheils aus deu in den Marschen herrschenden Fiebern, anderntheils aus der Faulheit und Völlerei, wozu die außerordentliche Leichtigkeit des Erwerbs verführt. Auch ist die Sterblichkeit in der Marsch so groß, daß die Bevölkerung daselbst schwinden, statt wachsen würde, strömte nicht immer ein reicher Ersatz von Gecstbewohnern nach, welche dnrch die höheren Löhne gelockt werden. Die Bauern der Marsch zeichnen sich vor denen der Geest durch größere Beweglichkeit des Geistes und höhere Bildung aus; nicht wenige von ihnen haben die Gymnasien zu Oldenburg und Jever besucht, uud man findet in ihrem Bücherschranke neben
Grenzbotcu. II. 18L2.