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Neueste engnlische Literatur : Robert Browning.
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Das neueste ihrer Gedichte, welches sie aus Italien mitgebracht hat, ist: die Fenster der Casa Guidi", ein Brillantfeuer von allen möglichen Em­pfindungen, die sich in bizarrer Mischung dnrch einander dränge», in dem die edelsten Gefühle sich bis zur Trunkenheit eines wilden TranmeS steigern; eine Reihe von bunten Nebelbildern, die ihren Sinn und ihren Zusammenhang ver­lieren, und die daher als Ganzes betrachtet einen unerfreulichen Eindruck hinter­lassen. Der Anfang ist schön. Ans dem Fenster eines Hauses zu Florenz hört die Dichterin die Stimme eines Kindes, welches auf der Straße mit so Heller Stimme 0 beUa libsrlir fingt, daß sie Vertrauen gewinnt zur Znkunft eines Volts, in dem die Kinder sich bereits so für die Freiheit zu begeistern wissen. Von diesem Anfang breitet sich die Betrachtung nach allen Seiten aus, nach der Geschichte und der Natur des Landes, und verliert sich zuweilen in die nüchterne Prosa, die von einem weiter ausgeführten politischen Gedicht nicht zn trennen ist, bald in eine Exaltation, die über ihrem Eifer ihren Gegenstand vergißt. Aber es finden sich anch einzelne sehr schöne lyrische Stellen, z. B. wie der Platz, auf dem die Asche Savouarola's in die Lüfte gestreut wurde, mit Veilchen bestreut wird. Auch da, wo die Leidenschaft oder die Phantasie die Dichterin mit sich fortreißt, empfinden wir immer, daß ein wahres Gefühl zn Grunde liegt. Sie ist ehrlich in ihrer Liebe zum Guten und iu ihrem Haß des Schlechten, und das ist, wenn nicht die einzige, doch eine wesentliche Grundlage der echten Poesie. Daß Elisabeth Barrett von allen strebsamen Gemüthern ihres Geschlechts in Eng­land als eine Prophetin verehrt wird, ist unter diesen Umständen nicht zu ver­wundern. Noch nenlich hat st« die Verfasserin der Romane Olive nnd Itis Oxilvies in ihrem neuesten Werk: tlie Irsacl ok tke tarnilv, in diesem Sinne angesungen.

Wochenbericht.

Kaiser Nikolaus in Berlin. Militärische und Hofseste, so wie gegenseitige Besuche der Monarchen bei einander dienten in früherer Zeit nur dazu, dem nach neuem Stoff begierigen Publicum einige willkommene Nahrung zu geben; von einer tiefern Bedeutung war nur in den seltensten Fällen die Rede. Der Besuch des Kaisers von Rußland in Berlin, wenn auch vielleicht für den Augenblick durch Privat- verhältnisse beschleunigt, hat einen ernster» Sin». Wir glauben zwar nicht an erhebliche Resultate dieser Znsammenknnst, allein wir nehmen sie als ei» Zeichen, daß man jetzt die Verhältnisse als so weit consolidirt betrachtet, um auch die alten Formen wieder aufzunehmen.

Die Ankunft des Kaisers erfolgte vor dem Schluß der Kammern. Es war die Rede davon gewesen, daß man leicht in diesem Zusammentreffe» etwas Unzweckmäßiges sehe» könne, da die Urtheile des Kaisers über das constitutionelle Wesen allgemein be- Grenzboten. II. i9