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Christian August Lobeck.
Seite
281
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Christian August Lobe«L.

Mit Recht ist in diesen Blättern kürzlich darauf hingewiesen worden, daß Deutschland niemals so sehr als jetzt Grund hatte, den Blick ans seine Wissen­schaft, zu richten, mit der wir. uns getrost dem Auslande gegenüberstellen dürfen. Es bedarf also wol keiner Rechtfertigung, wenn hier der Vorsuch gemacht werden soll, die wissenschaftliche Bedeutung eines Mannes darzustellen, der vor der deut­schen Wissenschaft Achtung einzuflößen geeignet ist wie Wenige, und wer konnte dazu in höherm Grade geeignet sein als Lobeck? Seine schriftstellerische Thätig­keit reicht aber bis an den Ansang dieses Jahrhunderts hinaus, und wurde zum Theil dnrch die damaligen literarischen und wissenschaftlichen Zustände so unmittelbar bedingt und veranlaßt, daß diese zunächst eine kurze Betrachtung erfordern.

Man erinnert sich, wie mit dem Tode Friedrich des Großen über Deutsch­land eine neue Dämmerung hereingebrochen war, in der neue Mächte ihr un­heimliches Wesen trieben. Ueberall im Gebiete des Geistes sollte die Vernunft entthront, Glaube Hder Phantasie an ihre Stelle erhoben werden. Unter den höheren Ständen verbreiteten sich geheime Bündnisse mit weltbeglückenden, aber in erhabenen Nebel gehüllten Zwecken, die ihre Eingeweihten zu blindem Glauben au unbekannte Vorgesetzte verpflichteten. Die christliche Orthodoxie nahm eine Mystische Färbung an, und, mit fanatischer Intoleranz gegen jeden Vernunftglauben ging die liebreichste Duldsamkeit gegen den Papismus Hand in Hand. In Kunst und Literatur wurde die neue Botschaft verkündet, daß das künstlerische Schaffen nur aus gläu­biger Entzückung hervorgehen könne, alle Künste sollten in der Religion aus- und untergehen. Von den Einflüssen der nenromantischen Richtung blieb die Wissen­schaft nicht nnberührt, sollten doch selbst in der Medicin Inspiration und Ahnung die erfahrungsmäßige Untersuchung verdrängen. Zu der sonnenklaren formenbe­stimmten Welt des hellenischen Alterthums fühlteu sich begreiflicher Weise die Apostel und Gläubigen der neuen Lehre nicht hingezogen, nnd gleichsam um das Griechenthum zu überbieten, oder doch entbehrlich zn machen, wies Friedrich Schlegel auf Indien hin, als das Land, wo die in grauer Urzeit verkündete Offenbarung sich am ungetrübtesten erhalten habe; desgleichen erklärte Schelling, Gr-nzbotm. II. -1832. 36