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Neueste englische Poesie : Henry Wadsworth Longfellow.
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drungen ist, malt sich allmählich den Gedanken ans, sie sei von Gott berusen, für den Prinzen zu sterben. Ihre Begeisterung reißt selbst die Aeltern mit sich sort; auch der Prinz, der durch die Todesfurcht in den feigsten Egoismus versenkt ist, willigt ein, und so reisen die Beiden, von dem unvermeidlichen Lucifer begleitet, uach Italien ab, um dort das Opfer zu vollziehen. Die Schilderungen der Zeit, zu dcuen diese Reise Gelegenheit bietet, stellen nun den eigentlichen Gegen­stand des Gedichts iu Schatten. Zuerst werden Betrachtungen über die einsamen gothischen Schlösser am Nheine gemacht; dann erscheint in Straßburg Walter von der Vogelweide, der einige poetische Landschaftsschildernngen giebt; ein ketze­rischer Priester, der seine mystischen Ansichten dem Volke in einer-Predigt, die im Gedichte 23 Seiten einnimmt, ans einander setzt; ein frommer Mönch, der in ruhige Coutemplationen versunken ist, den aber Lucifer durch die Schilderuug des lustigen liederlichen Klosters St. Gildas zu verführen sucht; auf der Brücke von Lnzem wird ihm ein makabrischer Todtcntanz vorgestellt, über den sich Hein­rich, trotz seiner Todesfurcht, sehr belustigt, während sich Elsie, obgleich zum Tode entschlossen, mit Schauder und Entsetzen davon abwendet; dann solgt die Reise über den St. Gotthard und der Einzug in Genua unter Begleitung einer lärmenden Pilgerschaar. Hier soll das Opfer vor sich gehen; vorher haben wir aber noch die Episode einer Disputation zwischen den seraphischen und angelischen Doctoren. Plötzlich besinnt sich Heinrich über die Niedrigkeit seines Egoismus, und verbietet Elsie, ihr Opfer zu vollziehen; aber Lucifer ruft aus: Es ist zn spät! und schleppt sie mit sich fort. Es entspinnt sich ein Kampf zwischen dem Prinzen uud dem Teufel, der einen günstigen Ansgang genommen zu haben scheint, denn' in der nächsten Scene finden wir Heinrich und Elsie, die jetzt Lady Alicia genannt wird und seine Gemahlin geworden ist, ans dem Wege nach der Heimath.

Margarethe Füller,

geb. -1810, gest. -I8S0.

Die Memoiren dieser merkwürdigen Frau, die so eben von dem amerikanischen Philosophen Ralph Emerson herausgegeben sind, eröffnen uns einen interessanten Blick in den ZersetzuugSproccß, welcher in dem hoher gebildeten Theil der nord­amerikanischen Gesellschaft, die bisher noch immer in den steifsten puritanischen Traditionen befangen war, vor sich geht. Margarethe Füller, in der Kenntniß der meisten europäischen Literaturen so weit vorgeschritten, daß sie selbst bei uus Aufsehen erregen würde, hat sich zwar auch durch ewige Schriften poetischen nnd kritischen Inhalts bekannt gemacht, unter anderen dnrch eine Studie über Goethe, durch