333
In den letzten Tagen hat sich das Publicum sehr lebhast mit der Entdeckung . einer Spur von dem vermißten Nordpolsahrer Sir Jvhu Fmnklin beschäftigt, die von einer Seite herkommt, wo man sie am wenigsten erwartet hätte. Vor einiger Zeit verbreitete sich von Shields aus das Gerücht, daß ein dem dortigen Hafen angehörender Schiffscapitain Jemanden habe sagen höre», er habe Franklins Schiffe auf einem Eisberge gesehen. Die Admiralität ließ sogleich Nachforschungen anstellen, als deren Ne- . snltat sich Folgendes herausstellte. Die Brigg Renovation, Capitain Cownrd, von Limerick nach Qucbcck segelnd, bekam am 20. April 1851 ausgedehnte schwimmende Eisberge zu Gesicht. Am 22. Vormittags 6 Uhr, nachdem das Schiff die ganze Zeit über Eismassen in der Nähe gehabt, erblickte es in einer Entfernung von li^K englischen Meilen ein nngchcnres Eisfeld, das S Milcs in der Länge hatte, und an manchen Stellen 30 Fuß hoch war. Zwei Schiffe waren in demselben festgcsrvren; das größere lag auf der Seite und unmittelbar am Rande des Eisfeldes, das kleinere stand aufrecht. Beide Schiffe hatten ihre Masten und Stengen stehen, und die unteren nnd Marsraaen am Mäste; die Bramstengen und Bramsegclraaen waren aber gestrichen, wie es bei Schiffen, die für den Winter aufgelegt werden, Sitte ist. Beide Schiffe waren auf Signalwcite von einander entfernt. Boote' und Mannschaft waren nicht zu bemerken. Die Schiefe der Masten, die Länge der Naacn und die Bauart des Rumpfes verwehrten den Gedanken, daß die Schiffe Wallfischfahrer feien ; auch die Größe, wie sie von den Entdeckern angegeben wird, stimmt mit der Große der beiden Schiffe ErcbnS und Terror. Schwerlich hätten auch Schiffe von gewöhnlicher Bauart eine so weite Reise mit Eisfeldern wagen können, ohne zerquetscht zu werden. Der Steuermann Simpson, der die Wache commandirtc, als man die beiden fcstgesrornen Fahrzeuge entdeckte, ist der Hauptgcwährsmann für die Erzählung, aber auch ein Passagier und jeder Einzelne der Wache hat die Fahrzeuge nach der Reihe durch das Fernrohr gesehen, und Alle bestätigen das oben erzählte. Merkwürdiger Weise scheint damals Niemand daran gedacht zu haben, daß es die vermißten Franklin'schcn Schiffe sein könnten, sonst würde man gewiß, in Aussicht aus die Belohnung von 10—20000 Pfd., die Sache näher untersucht haben. So machte der Steuermann dem in der Cajüte krank liegenden Capitain Meldung, der weiter Nichts sagte als: „Thut Nichts!", uud da Eisberge keine angenehme Nachbarschaft sind, -auch auf den Schiffen kein lebendes Wefen zu entdecken war, so setzte der Steuermann die Reise ohne Aufenthalt fort. Die gauze Geschichte gerieth iu Vergessenheit, und merkwürdiger Weise hat auch" ein Brief des Steuermanns Simpson, in dem er von den eingefrorenen Schiffen spricht, und der voriges Jahr in der Limerick Chronicle abgedruckt war, in der Tagespresse keine Beachtung gcfuudcu. Erst die zufällige Aeußerung Capitain Coward's gegen den obenerwähnten Capitain aus Shields, daß er zwei Schiffe auf einem Eisberge gesehen, hat aus vielen Umwegen die Entdeckung zu Ohren der Behörde gebracht. Weuu es wirklich Frankliu's Schiffe siud, und viele Gründe sprechen dafür, so fällt die Erzählung des Eskimo's Adam Bcck, daß die Schiffe gescheitert, und die Mannschaft ermordet worden, zu Boden, und Franklin's Außenblcibcn würde vielleicht dadurch zu erklären fein, daß er die Schiffe jedenfalls freiwillig uud in aller Muße verlassen, entweder n/eil ihm die Lebensmittcl ausgegangen, oder weil sich das Eisfeld losgerissen, uud daß er in den Pvlargcgenden doch noch vielleicht ein Land gefunden, das ihm Aussicht gegeben, sich mit seinen Genossen durch die Jagd zu ernähren. Die Nachricht ist fast gleichzeitig mit der Abfahrt von Sir E. Bclcher'S Expedition zur Entdeckung der Vermißten, wahrscheinlich der letzten, eingetroffen. Hoffentlich wird er ihre Bestätigung iu den kühnen Seefahrern selbst zurückbringen.
Wochenbericht.
, Theater. Ueber Hackländer's neues Lustspiel: „Magnetische Kuren," welches auch in Braünschwcig, Hannover und anderen norddeutschen Bühnen, wie es scheint, überall
30"