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bei der größeru Jsoliruug des Lebeiis, eine zweckmäßige Auswahl nützlicher und interessanter Bücher die nothwendige Bedingung des Behagens für eine gebildete Menschenscelc. Aber auch der reiche Fabrikhcrr, der große Kaufmann sollten die Verpflichtung fühlen, dnrch eine solche Anlage ihr Familienleben zu verschönern. Und wenn dem Hausherrn seine augestrengte Thätigkeit nur selten verstattet, sich selbst daran zn erbauen, so möge er bedenken, daß er seiner Familie kein besseres und dauernderes Vergnügen machen kann,.als diese Anlage. Der Zustand der Bibliothek iu einer Familie ist uuter allcu Umständen der erste Gradmesser für die geistige Bildung und das innere Leben ihrer Angehörigen, und ein fremder Gast, welcher hereinkommt, hat nur nöthig, sich nach den vorhandenen Büchern zu erkundigen, nm ein Urtheil über die Cultur des Hauses zu gewinnen. Ein solches Urtheil wird natürlich weder zuverlässig, noch in allen Fällen gerecht ausfallen, aber cö ist eine von den Handhaben, dnrch welche der Gebildete sich schnell zu orientiren vermag, und die Damen vom Hause thäteu sehr wohl daran, ihren Gästen und Freundinnen statt der altfränkisch und prätentiös im Glasschrank aufgestellten Porzellantassen und anderer mäßig gemalter Nippest gefällig geordnete nnd stattlich gebundene Bücher auszustellen. Die größte Uncultur zeigt sich anch in dieser Beziehung bei der Klasse von Geschäftsmännern, welche hier unter dem Collectivnamen Commerzienrath Hirsch oder Levi zusammengefaßt werden können. Ihr Herren verlangt, weil ihr viel Geld habt, daß die Vornehmen des Staates, der Wissenschaft und Knust mit euch verkehren sollen, aber in vielen eurer Häuser würde mau außer eiuem alten beschmnzten Talmud eures Vaters und etwa einem Handelslcxikon wenig finden, 'was einen Beweis gäbe, daß ihr die besten und edelsten Interessen eurer Mitbürger zu theilen versteht. Schreiber dieses weiß wohl, daß mehrere Hänser in Wien, Berlin u. s. w. eine glänzende Ausnahme von dieser traurigen Regel machen; es sind eben nur Ausnahme».
Jeder Wohlhabende hat die Pflicht, in seinem Etat eine feste Summe für eiue Hausbibliothck auszuwerfen. Er soll aber auch darauf sehen, diese. Summe zweckmäßig zu verwenden; er soll nicht nach hübschen Einbänden und anderen Zufällen kaufen, welche ihm ein gefälliger Buchhändler nahe legt, sondern er soll unter allen Uniständen sich einen gewissen Plan machen und zu erfahren suchen, waö von gnten und interessanten Büchern im Lanfe des Jahres erscheint. Wenn ihm das Letztere die Freunde des Hanfes nicht sagen können, so mag er sich selbst-die Mühe geben, sich darum zn bekümmern. Dazu sind die literarischen Zeitschriften vorhanden; es wird nützlich sein, wenn er sich eine solche periodische Schrift selbst hält. Es ist kein Grnnd anzunehmen, daß irgend eines unsrer literarischen Blätter, das deutsche Museum, oder auch die Grenzbotell, zürnen sollten, wenn er ans sie abonnirt. Falls er aber eiue kurze und bequeme, möglichst vollständige Uebersicht über dies Neuerschienene haben will, so halte er sich das literarische Centralblatt für Deutschland, herausgegeben von Zarncke, welches