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Theater.

Ueber die Aufführung von Caldcron's uud Shakespeare's Lustspielen

auf unsren Bühncu.

Die Ausführung zweier Lustspiele von Caldcron und Shakspeare, welche vor einigen Wochen aus der Leipziger Bühne Statt fand, hat, wie gewöhnlich die Sce- nirung alter Lustspiele, einen ungenügenden Erfolg gehabt. Das gebildete Publicum in seiner Pietät für die großen Dichter ist gewöhnt, in solchen Fällen der mangel­hasten Aufführung das ganze Mißlingen zuzuschreiben, es sei erlaubt, hier auf einige Eigenthümlichkeiten der Stücke selbst hinzuweisen, welche solche Aufführungen spanischer und englischer Lustspiele in unsrer Zeit fast ohne Ausnahme rcsnltatlos machen. Wir knüpfen au daslaute Geheimniß" unddie Zähmungen der Widerspenstigen" an.

In:das lantc Geheimniß'", von Calderon bezicht sich der Titel, wie bekannt, auf ciuen Scherz, welcher zwar nicht den Knotenpunkt der Intrigue bildet, aber wcuigsteus ciuen breiten Raum einnimmt. Zwei Liebende nämlich, die ge­nöthigt sind, sich vor der Beobachtung zu hütcu, haben ein Mittel verabredet, sich in Gegenwart Anderer aus eine solche Weise zu unterhalten, daß diesen der eigent­liche Sinn ihres Gesprächs cntgcht. Bei den kurzen trvchäischcn Versen, die Calderon im Dialog anwendet, hat die Zusammenstellung der Anscmgsworte jedes Verses einen geheimen Sinn. Für das Lesen ist dieses Mittel sehr klar, denn die Ansangsmorte werden unterstrichen, und man kann sie mit leichter Mühe mit einander verbinden. Auch wird es dem spanischen Dichter, der nach der Gewohnheit seines Volks überall eine größere Anzahl von Worten anwendet, als zum Verständniß unumgänglich nöthig wäre, sehr leicht, untcr den vielen überflüssigen Worten auch den nothwendigen eine Stelle zu geben. Bei der Ausführung hat aber das Mittel feine Schwierigkeiten. Um die betonten Worte von den bedeutungslosen zu unterscheiden, läßt sich der Schauspieler verleiten, die ersteren zn schreien und die letzteren so tonlos als möglich fallen zu lassen. Da­durch wird einerseits die Aufmerksamkeit verwirrt, da man zu sehr beschäftigt ist, die betonten Worte zu combiniren, um auf den doch eben so nothwendigen exoterischcn Sinn derselben zu achten; andererseits wird die Fnrcht rege, daß diejenige Person, ' welche getäuscht werden soll, durch die ausfallend verschiedenartige Betonung znm Arg­wohn und znr Entdeckung des Geheimnisses gebracht werden könnte. Das Mittel, welches Calderon anwendet, uns das Verständniß zn erleichtern, indem er nämlich jedesmal den geheimen Sinn von dem Angeredeten bei Seite wiederholen läßt, ist' un- künstlcrisch. Dagegen ist die Verwickelung der Leidenschaft, die Spannung dcr Eiser­sucht uud die daraus hervorgehende Intrigue mit Calderon's gewöhnlichem theatralischem Verstände angelegt. Der eigentliche Spaß bericht darauf, daß eine Prinzessin, die im Stillen einen ihrer Hoscavalicre liebt, hinter eine Liebesintrigue desselben kommen will, und sich dazu an die unpassendste Person von dcr Welt wendet, nämlich an seine Geliebte selbst, während der Liebende seinerseits einen eben so unpassenden Vertrauten zu Rathe zieht, ciuen spitzbübischen Bedienten, dcr Alles, was sein Herr ihm cmvcr- trant, ohne Weiteres dcr Fürstin berichtet. Es gehen daraus sehr ergötzliche Mißver­ständnisse hervor, und die beiden letzten Acte können ihren Eindruck nicht verfehlen. Dagegen ist die Charaktcrzeichnnng wie gewöhnlich sehr schwach; nur die drei Haupt­personen sind ausgeführt, uud auch von ihucn nur diejenigen Seiten des Gemüths, die ans ihre unmittelbare Situation Bezug haben. Das ist für uns nicht mehr genug. Wir wollen namentlich im Lustspiel concrcte Personen vor uns habeu, die wir mit voller Bestimmtheit als wirklich empfinden können. Noch schwächer sind die Neben­figuren, die doch eigentlich dazu sein sollten, uns über das Allgemeine dcr Situation klar zu macheu. Hier giebt uus Calderon weiter Nichts, als die ganz gewöhnlichen Schablonen: den pedantischen alten Höfling, den einfältigen zweiten Liebhaber, und den