Beitrag 
Neue Dramen.
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

127

e u e Dramen.

^MMWWl>l^^^»^ - >>»'. ^^H^'M-' ^M^H^V"' ^ «^-'-«-''«i,'?^.'.»..«^ '-^ti'v^

Armin, Drama in ö Auszügen vvn Hermann Grimm, Leipzig, Weidmann'sche Buchhandlung. 1831.

Da es uns deutschen Kritikern gegenwärtig uicht vergönnt ist, die Dramen fertiger und berühmter Schriftsteller zu kritisiren, so fallen unserm Hunger die Arbeiten jüngerer Kräfte zum Opfer. Es werden in Deutschland jährlich vielleicht 1320 Dramen von neuen Verfassern verlegt; aber nicht aus jedem Jahrgange bleibt auch nnr ein Talent übrig, welches sich aus den ersten Ansängen heraus­arbeitet, uud Lust und Kraft behält, auf der Bühne heimisch zu werden. Denn es ist merkwürdig, daß fast alle ersten Dramen der Deutschen ohne jede Kenntniß der innern Gesetze eines dramatischen Kunstwerks geschrieben werden, uud des­halb für unser Theater durchaus unbrauchbar sind. Ja viele unserer jungen Schriftsteller sehen mit einem gewissen Hochmuth auf das herab, was sie Be­schränkungen durch Büh.nenconvenienz nennen, welche den freien Flug hemmen und wie die Ausreden sonst heißen. Sie werden grausam dafür gestraft, denn von je 100 Bücherdrameu, welche erscheinen, verfallen 99 vor Ablauf ihres ersten Lebensjahres als Makulatur dem Tode. Nur selten retten einzelne als literarische Merkwürdigkeit ihr Leben bis in die nächsten Generationen.

Was in diesem Blatt oft ausgeführt, uud fast bei jeder Anzeige eines neuen Dramas wiederholt wurde, sei auch hier an die Spitze einer kurzen Besprechung gestellt. Bühnenrichtigkeit ist das erste Erforderniß des Dramas, wenn es auf den Namen eines Kunstwerks Anspruch machen will. Was von einem modernen Dichter geschrieben wird, und auf unsern modernen Bühnen zwischen Souffleur­kasten und Hintergrund bei einer etwaigen Darstellung nicht wirksam ist, das ist aus irgend einem Grunde auch vom Dichter fehlerhaft empfunden oder ungeschickt ausgeführt.

Auch das Drama von H. Grimm leidet an diesem Uebelstande. Es enthält eine Reihe von Scenen, in welchen interessante, ja schöne Momente aus den spä­tern Kämpfen Armin's und der Deutscheu gegeu Germauicus uud die Römer idea- lisirt sind. Da der Dichter das Talent zeigt, historische Momente sich durch detaillirte Anschauungen lebendig zu machen, nnd da er den Vorzug besitzt, ohne alle weiche Sentimentalität zu erfinden, so ist gerade bei ihm lebhaft zn wünschen, daß es ihm gelingen möge, seine Anschauungen uud Erfindungen gemäß den künstlerischen Gesetzen eines Bühnenstücks zu formen. Die Einheit, welche sein Drama hat, ist eine äußerliche. Armin uud Germaniens treten einander in Deutschland gegenüber. Die Deutschen werden besiegt und siegen, die Uneinig­keit der Fürsten, die Bestechlichkeit Einzelner, machen es dem Germaniens möglich über sie in Rom zn triumphiren, seine Popularität erweckt den Neid des Tiber, dieser läßt den Helden in Syrien vergiften. Armin erfährt unterdeß die Schlechtig-