Beitrag 
Deutsche Romane.
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

1V2

^

rung nur die Verläumdung eines rohen Menschen, denn die Dame erscheint im ganzen Romane als eine etwas verbildete, aber höchst humane Person, welche gegen den Helden besser und edler handelt, als er um sie verdient. Am wunder­lichsten präsentirt sich die Bachmüllerin, welche nus durch drei Bände als eine ver­ständige, einfache Bauerfrau begleitet hat, und von der wir am Schlüsse plötzlich erfahren, sie sei die Mutter des Heldeu, früher adeliges Hoffräulein, Gesellschaf­terin einer Priuzessin uud Geliebte eines Prinzen.

Es wird der Kritik gestattet sein, zum Schluß einen Freundeswnnsch gegen den Dichter cmSzusprechen. Er möge sein Talent nus zunächst an einem Stoss bewähren, bei welchem es ihm unmöglich ist, seiner gefährlichen Vorliebe für epigrammatisch zugespitzte Couversatioueu nachzugeben, wo er gezwungen ist, Be­gebenheiten in künstlerischem Zusammenhange einfach zu erzählen, uud seine Men­schen zu schildern, nicht wie sie die Welt ansehen, sondern wie sie in der Welt handeln. Einfachheit in der Sprache, einfache Wahrheit in der Darstellung einer zusammenhängenden, verständig angelegten uud nach festem Plane ausgeführten Begebenheit ist, was ihn heilen kann. Es begegnet auch einem kräftigen Mann, daß er auf falsche Wege kommt und ihm deshalb Einzelnes vollständig mißlingt; seine Kraft beweist er dadurch, daß er die rauhe Stimme der Kritik nicht von sich abhält, soudern die ungenügenden Andentnngen, welche ihm ein Anderer ge­ben kann, dazu benutzt, die eigeue Kritik gegen sich selbst wach zu rufen und durch Selbsterkeuntniß sich den Fortschritt möglich zu machen.

Cin deutscher Gelehrter als Farmer

in Texas.

'ÄÄÄ»^!-^ - ^S^/^-l .:,,. -.,. .'.^

Morgens nnd Abends rief mich meine Schwester regelmäßig mit der Bitte, ihr beim Melken Beistand zu leisten. Die Rindviehwirthschaft in Texas ist voll­ständig von der deutsche» verschieden; in Texas existirt durchaus keine Stall- fütternng, vielmehr nährt sich das Vieh allein von Prairiegras. Sobald eine Kuh gekalbt hat, bringt sie das Kalb entweder^ freiwillig nach der Farm, in deren Nähe sie gewöhnlich weidet, gleichgiltig, ob diese ihrem Herrn oder irgend einem Andern gehört, oder man treibt sie, wenn sie nicht freiwillig kommt, mit Gewalt hinein. Die Pen ist eine nach der Anzahl des Viehes, welches Abends um Einlaß bittet, verschieden große Abzäunung, die durch eine Zwischeufence in zwei Abtheilungen geschieden ist, welche dnrch eine Thür in Verbindung gesetzt werden können; die eine ist für die Kälber bestimmt, die andere für das übrige Viel).