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Das Verhältnist der Dper zu,,» Drama *)
Das Verhältniß der Oper zum Drama kritisch zu untersuchen, ist in einer doppelten Hinsicht von Interesse. Einmal muß es unser Gefühl empören, wenn wir die vortrefflichste Mnsik an den unsinnigsten Text verschwendet sehen. Wenn wir auch so viel Abstractionsvermögen besitzen, uns den letztern hinwegzudenken, so ist das immer doch nur eiu reflectirter und erkünstelter Genuß; vou einem rein künstlerischen Eindruck ist keine Rede. Es wird dadurch uur zu sehr die Neignng denkender nud geschmackvoller Künstler begünstigt, sich des Dichters ganz zu überheben, und ihre Melodien uud Harmonien rein durch sich selber tragen zu lassen. Diese übertriebene Ausbildung der Instrumentalmusik im Verhältniß znr Vvcalmusik in Deutschland ist keineswegs ein Zeichen von der Gesundheit unsrer Empfindung.
Sodann beschränkt sich die üble Nachwirkung schlechter Operntexte nicht blos aus die Oper. Wenn sich das Pnblicum daran gewöhnt, in der Oper den unsinnigsten Sprüngen, der gedankenlosesten Entwickelung gleichmüthig zu folgen, so bringt es bald diese Stimmung auch ins recitirende Schauspiel mit, und dnldct nicht blos von der Phantasie des Dichters die geschmacklosesten Extravaganzen, sondern es verlangt sie, uud ist uuzusriedeu, wenu seine überreizten Nerven nicht durch sehr starke Gewürze gekitzelt werden. Wenn das Pariser Pnblienm nicht dnrch Robert den Teufel und ähnliche Erfindungen bereits den Sinn für das Unmögliche und Abgeschmackte ausgebildet hätte, so würde es der Muse Victor Hugo's unmöglich geworden sein, sich Geltung zu verschaffe«. Es liegt also eben so im Interesse des Dichters, wie des Musikers, daß ein richtiges Verhältniß zwischen dem Text und der Komposition hergestellt werde.
So viel springt in die Angen, daß die Verrücktheit des Textes kein unumgängliches Erfordernis; ist, um eiue gute Musik daran aufzubauen, daß im Gegentheil der künstlerische Eindruck sich erhöhen muß, wenn er eben sowol ans dem Interesse der dargestellten Handlung, als aus der begleitenden Musik hervorgeht. Eben so klar ist aber auch, daß die Gesetze des Operutexteö wesentlich verschieden
*) Oper und Drama. Von Richard Wagner. 3 Bde. Leipzig, Weber. Grenzboten. I. 11