382
ker an und hören sie auf; Kinder und Greise sind possenhast und gransam." —- „Woraus geht dieser beständige Wechsel, dieser Wahnsinn, diese Hast im Zerstören hervor? Es fehlt das Gegengewicht gegen die menschlichen Thorheiten, die Religion." ^
— Diesem tiefgefühlten Bedürfniß ist durch Daumer nun abgeholfen.*) —
^l» 8»
Die flämische Sprachbewegung und Hendrik Conseienee.
England, Frankreich und Nußland protegiren gern fremde Staaten, Deutschland protegirt fremde Literaturen. Unser jüngster Liebling war vor der Revolution das Vlaementhum in Belgien. Die Stammverwandtschaft zwischen Flamän- dern und Deutschen gebot und gebietet noch jetzt, der Sprachbewegnng in den beiden Flandern, Antwerpen und Brabant einen Blick der Aufmerksamkeit zu schenken, aber bei uns begann man damit, ans dem sanguinischsten Enthusiasmus dafür eine nationale Pflicht zu machen; was ein ehrlicher Deutscher sein wollte, prüfte nicht, sondern schwärmte, und es gab wenige Journale, die nicht, mit oder ohne Verständniß, fortwährend über die Eroberungen des Deutschthums in Belgien trompeteten und darauf schwarzrotgoldene Berge bauten. Ich spreche nicht von den Sachkundigen und Sprachforschern, wie Fallersleben u. A., sondern von den Tagespolitikern. Unter den Letztern hat Kuranda indem Buch: „Belgien seit seiner Revolution" deu Stand der Dinge am richtigsten und feinsten beurtheilt, leider jedoch nicht ausführlich genug; unter den Enthusiasten blies Höfken in der Augsburger Allgemeinen Zeitnng die lanteste Posaune; aus denselben Blättern, > wo er seine Kreuzzüge gegen die Wälschen in Brüssel unternahm, turnirten damals zufällig Pulszky und Thun gegen einander, jener für die Hegemonie der Tschi- kosche, dieser für die der Drathenbinder: ein Vorspiel des magyaroslavischen Racen- krieges. Höfken ist jetzt in Wien und macht Propaganda für das Deutschthum in Oestreich, worin er von kaiserlichen Beamten und militärischen Standrichtern wirksam unterstützt wird. Die deutsche Cultnr würde auch auf friedlicheren Wegen in Oestreich allmälig vordringen; gegen den slavischen Osten war sie stets siegreich, gegen den romantischen Westen umgekehrt. In Oestreich lebt die deutsche Schriftsprache, aus dem Stockhaus, wenn man will, aber sie lebt doch und wird die einzige Führerin zur Bildung und Freiheit bleiben: in Belgien steht ein verkümmertes
*) Das Rcisetagebuch nach dem Orient, im Vergleich mit dem von Lamartine im nächsten Heft.