Beitrag 
Das deutsche Publikum und die fremde Belletristik.
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

127

ren Erzählungen, in geradester Linie auf ihren Zweck los. Später vervollständigen sie sich in der Chaumiere, im Salon und an der Börse. Sie gewinnen schnellen Witz, Grazie und Kühnheit im Combiniren. Wir armen Deutschen! Bei unserer Bildung geht die Philosophie über die historischen und exacten Wissenschaften hin­aus, trotz aller Schulen; es werden uns weite, complicirte, romantische Gesichts­punkte gegeben, ehe wir gelernt haben, die Dinge selber genau zu betrachten; in unseren sog. deutschen Aufsätzen in der Schule hält man uns an, Dilettant zu wer­den, noch ehe es uns Freude macht; man treibt uns dazu, in dem formlosen Dilettantismus unserer Göthe u. s. w. die wahre Höhe der Kunst zu ahnen, noch ehe die Willkür uns ein wirkliches Wohlgefallen erregt. Später gilt der Beamte mehr als der Kaufmann und der Industrielle, das Aufgeben des selbstständigen Erwerbs, des selbstständigen Willens an einen außer uns liegenden Zweck höher, als der gesunde Egoismus. Wir werden Münzen mit uniformem Gepräge. In den Nebenstunden lassen wir uns Musik machen. Reichthum au Reflexionen, Reichthum an Pflichten, Reichthum au Stüumungeu! Philosophie, Bureau, Musik! Dar­über ist unS der Humor uicht weniger verloren gegangen, als die Freiheit,

Zur antiromantischen Literatur.

Die romantische Schule in ihrem innern Zusammenhang mit Goethe und Schiller. Von Hermann Hettner. Vraunschweig, Viewcg.

Der Verfasser erklärt im Vorwort seiner kleinen Schrift, sie solle keine eigent­liche Geschichte der Schnle sein, sondern nur eine Vorstudie dazn. So verhält es sich auch; nur wird der Vorstudie wohl keine wirkliche Geschichte folgen. Es sind eben kritische Bemerknngen über einzelne Dichter der sogenannten romantischen Schule, über Göthe und Schiller, sowie einige andere Schriftsteller jener Periode, geordnet nach den Rubriken: 1) der poetische Idealismus, 2) das Romantische, 3) Göthe uud Schiller in ihrem Verhältniß zur Antike, 4) Katholicismus und Mittelalter, 5) Anfänge der historischen Poesie. Vorlesungen für ein gebildetes Publikum, das immerhin Manches daraus lernen kann. Der Verfasser legt einen ziemlich starken Accent darauf, daß mau uicht ungerecht gegen jene Schriftsteller sein soll, er findet die dramatisirten Märchen von Tieck, sowie seine spätern No­vellen sehr zu loben, er tadelt es, daß' Rüge und Andere die ganze Schule auf einen einzigen Begriff redncirt haben, und thnt nachher doch dasselbe, indem er sagt:Die romantische Schule ist die Doctrin und Praxis der subjectiv auf sich gestellte», gegenstandlosen, phantastischen Phantasie", was Rüge mit denselben