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Reisetagebuch aus dem östreichischen Oberland.
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Neisetagebuch aus dem östreichischen Oberland/

4. Die Emigranten.

Schau! flüsterte imNeuhaus" zu Berchtesgaden ein radikaler Studeut aus Wien, indem er mit dem Ellenbogen seinen Reisegefährten anstieß; schau mal hin, aber gib Acht, daß Du dich nicht blind siehst. Lauter Landsleute! Er deutete nach der Wirthstasel, die von einem Schwärm glänzender östreichischer Gäste be­setzt war; die Frau Wirthin schien sich sehr um sie zu bemühen. Die beiden jun­gen Leute aber starrten eine Weile den Tisch an, als sähen sie ein Mirakel, eine Auferstehung der Todte», und eine Mischung von Erstaunen, Sehnsucht und patriotischer Rührung malte sich in ihren Blicken. Freilich, sagte der Andere; hier in Baiern schöpfen sie frische Lust. Bei uns würden sie sich hüten, sich so öffentlich zu zeigen; denn wo einer erwischt wird, rettet ihn kein Gott vor dem schauerlichen Kerker unter der Erde. Alle Welt verfolgt ihn mit Spitzlaugen; vor den schwarzgelben Bourgeois ist schon gar keiner sicher. Und sie sind hier in so großer Gesellschaft beisammen! Hol mich der Haynau, wenn ich geglaubt hätt', daß ihrer noch so viele auf der Welt sind. Hast Du seit dem November 1843 in Wien jemals drei neben einander gesehen? Nein, entgegnete der Zweite; das verbietet das Associationsgesetz. Mir ist im ganzen Jahr ein ein­ziger aufgestoßen. Den versuchte ich zu retten nnd brachte ihn heimlich auf meine Stube, wo ich ihn eine Zeit lang verborgen hielt, bis mich der Tl einmal durch die abscheulichste Geldverlegenheit in Versuchung führte; da hab ich ihn ausgegeben!

Gewiß hat der Leser längst errathen, daß die östreichischen Emigranten, von denen die beiden Patrioten sprechen, Silberzwanziger sind. Auch ich konnte mich einer gelinden Bewegung nicht erwehren, als ich die Gleichgiltigkeit bemerkte, mit der die Wirthin die langen Reihen blanker Oestreicher zählte uud iu die Tasche schob. Jnstinktmäßig traten wir alle D:ei zugleich näher und baten um die Er­laubniß, das Wiedersehen dieser edelsten unserer Landsleute einen Augenblick zu genießen. O Ihr Vormärzlichen, sagte der eine Student, indem er einen Blick voll Pietät auf die Häupter der frommen Maria Theresia, des hagern.Frcmz und des guten Ferdinand warf; warum ist Franz Joseph nicht unter Euch? Alle Sterne der alten Nacht sind wieder aufgegangen, die Ruthe und der Stock sind am östreichischen Himmelsfenster ausgehängt, Censur, Geheimpolizei, Munkacz und andere liebliche Sternbilder winken wie einst vom Firmament hernieder, nur kein Zwanziger erhellt das trostlose Dunkel. Sie alle sind begraben oder in die Ver­bannung gezogen. Gebt uns die alte Zeit zurück, wenn Ihr nicht anders wollt,