67
das Ministerium auftrat, dasselbe geradezu wegen seines Widerstandes gegen die Frankfurter Neichsversassnng des Hochverraths bezüchtigte, schien anzudeuten, daß, trotz aller äußern Mäßigung, dennoch dieser Hanptanführer der Linken zu einer unversöhnlichen Opposition gegen das Ministerium entschlossen sei, nnd Herr von Watzdorf, der in der ersten Kammer ebenso ans der Aenßerflen sich befindet, wie v. Dieskan in der zweiten, hat bereits diese Opposition von dem Gebiete der Worte auf das der Tljaten hinübergetragen, indem er noch in der letzten Sitzung vor den Weihnachtsfericn eine förmliche Anklage der Minister theils wegen des Belagerungszustandes, theils wegen gewisser Verordnungen über Forterhebnng der Steuern beantragte.
(Beschluß folgt)
Die letzte Serenade.
Episode anö der ungarischen Nevvlutivnsgeschichte.
Mit dem 1. Juli l84S begann die zweite große Patrivtenwandernng von Pesth aus. Der Sieger von BreScia nahete. Mau wußte, was der Ungar von ihm zn erwarten habe. Uud wer' nur irgendwie kompromittier war, eilte davon, nm der Begnadigung zu Pulver und Blei, der Verurteilung zum Strange oder zur zwanzigjährigen Schanzarbeit in schweren Eisen zu entgehen.
Der Abschied der Einzelnen von den Ihrigen war eben nicht sehr tranrig. Man wähntö, es gelte nnr eine kurze Trennnng. In wenigen Wochen kehren wir wieder, wie damals im Winter von Debreczin, als Sieger zurück.
Kossuth selbst hatte daö Signal zum Aufbruch gegeben. Er war der erste, welcher — schou am 1. Jnli — Pesth verlassen und sich nach Czeglvd begeben hatte, bevor noch das Publikum von der drohenden Gefahr unterrichtet war. Nach der,,für uns ungünstig ausgefallenen Schlacht bei Naab (Z0. Juni), hatte Görgey der Regierung die dringende Weisung zugeschickt: „sie möge keinen Augenblick säumen, ihren Sitz wieder in die Gegend jenseits der Theiß zu verlegen, indem er für ihre Sicherheit in Pesth keine 24 Stunden garäntirck könne." Kossuth war vom panischen Schrecken ergriffen alsogleich abgereist. Die Minister nnd der Reichstag sollten ihm ans dem Fuße folgen. Am nächsten Tage zeigte es sich aber, daß Görgey's Drohung doch etwas übertrieben war. Er wollte die Regierung schnell in die Theißgogend schicken, um oben völlig freie Hand zum Operiren und Unterhandeln zn gewinnen. Kvssnth blieb in Czeglvd, wo damals mich die Perczcl-Dembinöky'sche Armee concentrirt war, kam aber mittelst
9*