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Die ungarische Emigration in England.
London, L?. November.
Es ist jetzt ein Jahr, daß die traurige Wanderung der Heimath flüchtigen Magyaren nach dem Süden nnd Westen Europa's, nach den gastfreundlichen Häfen Amerika's begann. Mau braucht eben kein gottbegeisterter Seher zu seiu, um zn vrophezeihen, daß diese Hegira des modernen ungarischen Mahommet uud seiuer Gläubigen der Anfang eiucr bedeutungsvollen Epoche für Ungarn begründet. Viele von deneu, welche die Grenze glücklich überschritte«, sind zuvor Mouate laug im eigeueu Laude verkleidet uiuhergeirrt, habeu selbst später traurige Kreuz- uud Querzüge durch Deutschlauds argwöhuisch bewachte Städte uud Eiuzel- staateu macheu müssen, bevor es ihnen gelang, eiuen sicheren Fleck in Frautreich, Englaud, Amerika oder dem schweizerischen Gebiete und in der Türkei zn erreichen, wo sie die Vermummuug vou sich werfeu uud es wageu durften, unter ihrem eigenen Namen offen aufzutreteu. Die Geschichte dieser Wauderuugen fällt den Biographen uud Nmnanschreibern der Zukuust auheim. Erst jetzt, nach eiueiu völkerthränenreichen Jahre, kann man annehmen, daß sich die ungarische Emigration auf verschiedeueu Puukteu uiedergelasseu hat; erst jetzt ist die uugeregelte Strömung vom Osteu zu eiuem Stillstaude gelaugt, und es läßt sich füglich die ungarische Emigration als eine französische, türkische, amerikanische uud cuglische betrachten.
Es sei hier blos von letzterer die Rede, und wie sich vou selbst versteht, soll uur der hervorragenderen Kapacitäten Erwähnung geschehen.
Als die Nachricht vou Gö'rgey's Waffeustrecknug bei Vilagos die Welt durchflog, waren von bedeutenden magyarischen Persönlichkeiten blos drei in London anwesend: Frauz Pnlszky, Pastor Wimmer und Joseph Orosz. Den Namen des Letzteren kannte das ungarische Lesepublicum vou deu Zeiteu Metternich's her, in welchen er das Pesther Tageblatt „Hirnök" redigirte. Ueber seiue damalige Thätigkeit ist uicht viel zu sageu. Der Hiruök war eiu vou der Ceusur gerupfter Vogel, wie all' die übrigeu östreichische» Iouruale jeuer Epoche. Mauche meinten, Herr Orosz könnte ihm Flügel geben, wenn er dürfte, Andere behanpteten, er dürfte, wenn er könnte. Jedenfalls schlug der Hiruök zuweilen einen freieren Ton an als seine Leidensbrüder in den übrigen Kroulauden; dergleichen Ungezogenheiten gestattete der greise Staatskanzler seinen ungarischen Pflegesöhnen, während er doch sonst im großeu Hause ziemlich barsch die Ruhe zn erhalten wußte. Vom „Hirnök" trat Orosz zum „Völkerbünde"; er hatte deu Meister gewechselt, er und sein schüchtern halbliberales Blatt wurdeu nun von Kossuth uud Batthyauyi