Beitrag 
Bairisches Militärwesen.
Seite
889
Einzelbild herunterladen
 

889

Bairisches Militarwesen.

In der Feldherrnhalle zu München, die dem Fremden, der aus den gebil­deten Theilen Deutschlands seinen Einzng in Jsar-Athen hält, den Prospect der Lndwigsstraße schließt, steht rechts das metallene Kolossalbild Tilly's, links Wrede. Ist der fremde in jenen nördlichen Gegenden, denen sie drohend das Gesicht zu­kehren, wirklich zu Hanse, so ist der erste klare Eindruck, deu er in München be­kommt, der, daß es die Heimath des Zerstörers von Magdeburg und des Gene­rals ist, der im bösen Jahre 6 unter allen die zuchtlosesten Hausen zu commandiren die Ehre hatte, Soldaten dem Namen nach, aber in der That furchtbarer den Hühnern, Gänsen nnd Enten, sowie sonstigen! Besitze der Wirthe, als die weiland berüchtigte Löffelgarde der NevolutionSarmee. Die ältere Generation in Schlesien, die 1806 gesehen hat, würde, glaube ich, weuiger vor dem Besuch von Kroaten uud Sereszauern als vor einer neuen bairischen Iuvasion bangen. Haut uud Haar mochten bei beideu uugefähr auf gleiche Weise sicher seiu, aber die bairische Stammeseigenthümlichkeit, die wir Andern als einen Nest des nrgermanischen Bar- barenthums ansehen, macht, daß man sich am Ende mit mehr Vertrauen in die Hände eines Nothmantels überliefert, der selbst im schlimmsten Fall, wenn es über das Bentelschneiden an das Kopfabschneiden geht, noch mit einer gewissen Bonhommie und der bekannten slavischen Subtilität zu verfahren pflegt. Man wird bei dein Baier zwar uicht den Verlust des Kopfes, wohl aber, namentlich wenn er sich in idealer Stimmung befindet, Prügel von allen Graden zu riskiren habeu, uud es fragt sich, ob es nicht rathsamer sei, sich mit einem Male durch eiue kunstgeübte Haud des Hauptes entledigeu zu lassen, als unter uaturalistischeu Faustschlägcu langsam zu vereuden.

Wir Kleiudeutschen außerhalb Prenßen befinden uns, Dank sei es der Po­litik der ursprünglichen Erfinder und Pfleger von Kleindeutschland, gegenwärtig in der uuaugeuehmen Situation, nicht mehr blos die Erinnerung an den Rnhm der bairischen Armee mit einem gewissen behaglichen Grauen sürchten zn müssen, sondern vielmehr vis K vi8 der ebeuso unbehaglichen, als sicheren Erwartung, irgeud eiu Stück derselben als Buudesexecutioustruppen bei uus eiurückeu zu scheu; daher mag es erlaubt sein, in wenig Zügen das Bild der jetzigenHelden­söhne der Bavaria", wie Se. Dnrchlaucht der Fürst von Taxis seine blau- weißeu Regimenter gewiß zu ihrer eignen Ueberraschung anzuproclamiren Pflegt, mit dem jener alten typischen Figuren und ihres Beiwerkes zn vergleichen.

Dabei ergibt sich deuu zuerst die unangenehme Entdeckung, daß ihre Zahl sich bedeutend vermehrt hat. 6000 Mann, soviel commandirte Wrede 1806, haben hiugereicht, um ein unauslöschliches Andenken im ganzen Osten der preußischen Grenzboten. IV. 1850. 112