493
Wirkliches, sondern als Erscheinung seiner Ideen. Der Idealismus der Gegenwart ist es, welchen er mit seiner mächtigen, unendlich reichen Künstlerkraft vertritt, während die lebeuden Maler geistlicher nnd heiliger Bilder im Jdealismns der Vergangenheit, vor einem todten Ideale schwärmen.
Wie Nafael ans der Grenze stand, von wo ab das katholische Princip von seinem höchsten Glänze herabsteigen sollte, wie er, vor dieser Katastrophe und während schon in Deutschland die Reformation den Kampf gegen die alleinseligmachende Kirche begann, noch das Ideal des Katholieismns in die reinste nnd schönste Knnstform hauchte, so steht Kaulbach ans der Grenze, wo die Wirklichkeit des politischen und gesellschaftlichen Lebens Front macht gegen die Theorieen und Systeme der deutschen Philosophen. Der Wissenschaft mnß die Philosophie, der Knust mnß das Ideal erhalten bleiben, aber beide müssen schöpfen vom Quell des Lebens nnd sich verjüngen an einer sinnlich kräftigen Wirklichkeit des Daseins in Natnr nnd Geschichte; beide müsse n n i ch tmehrsein wolle n, als sie in Wahrheit sein können: menschlich wahres, sittlich gesundes, gegenständlich treues Versteheu der Diuge iu ihrer charak- tervolleu Wirklichkeit. Kaulbach ist die herrlichste nud vollendetste Blüthe einer zum Abschluß reifen Kunstperiode, welche in Düsseldorf nnd München ihre Wnrzeln hat. Zugleich aber steht er mit seiner meisterhaften Technik, mit allem rein Malerischen an seinen Werken als ein Heros da für alle Zeiten, ein Meister der Malertnnst von seltener Hoheit nnd Größe. Denn wie Nafael ist er viel'zu sehr Maler, um uicht die Wahrbeit des sinnlichen Lebens, des wirklichen Daseins trotz aller Abstractiou und Symbolik voll und kräftig in seine Werke mit hereinzuziehen. A. G.
Julia.
Trauerspiel vou Hebbel.
Herr Hebbel hat die Ausgabe seiner Julia dazu benutzt, meiuen Kritiken durch eine Antikritik zu autworten. In der Regel pflege ich ans solche Angriffe uichts zu erwidern, weil ein solcher Streit, der sich um die Beurtheilung eines Knustwerkes dreht, zuletzt immer von dem eigentlichen Gegenstande abschweift. Die Replik beschuldigt den Kritiker, von dein beurtheilten Kunstwerke, das er doch unmöglich gauz abdrucken kaun, dem Pnblicnm nicht ein getreues Bild gegebeu ZU haben, wenigstens nicht in den Dimensionen, wie es der Dichter beanspruchen dürfe; die Duplik wird mit der Replik dasselbe thuu, uud so wird es bis ins