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Ein Dichterleben : Drama von Mosenthal.
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Drama von Mosenthal.

Die Leipziger Bühne ist etwas spät an die Aufführung dieses dritten Schau­spieles uuseres Dichters gegcmgeu. Der Erfolg desselben auf deu andern Thea­tern war nicht geeignet, sie besonders zu ermuthigen. Mir scheint es doch, als ob die Directionen die Pflicht hätten, einen jeden Versuch eines hoffnungsvollen Dichters, auch weun er nicht uubediugte Anerkennung verspricht, dem Publicnm zu vermitteln; denn ohne diese Bereitwilligkeit, die freilich oftmals zn Aufopferuugen führen mag, wird es nicht möglich sein, der dramatischen Knust eine sichere Form und Technik zu verschaffen.

DasDichterlebeu" ist nach einem Romane gearbeitet. Ich kenne denselben zwar nicht, finde aber in der Bearbeitung des Stoffes so viel von den Eigen­thümlichkeiten wieder, welche Mosenthal in seinen beiden frühern Dramen,De- borah" undCäcilie von Albano" (über die wir in diesen Blättern 1849 Heft 43 und 1850 Heft 30 berichtet haben) entwickelt hat, daß ich glaube, das Drama als ein selbststäudiges Werk betrachten und mich jeder Bezugnahme auf jene Quelle überheben zu können.

Das Charakteristischein dem Verfahren Mosenthal'ö besteht darin, daß er die Handlung in eine Reihe von Tableaux auslöst, die uicht in einer eigentlichen Dialektik aus einander folgen, sondern melodramatisch eingeleitet werden. Die Uebergänge von einem Tableau zum auderu, iu welchen hänfig das psychologisch interessanteste Problem liegt, werdeu den Zwischeuacteu nnd damit der beliebigen Phantasie des Pnblicnms anheimgegeben. Diese Eigenthümlichkeit finden wir anch hier wieder. Schon im Aenßerlichen ist fasten jeder Hanptscene dafür gesorgt, daß irgend ein Baum oder soust eiu malerischer Mittelpunkt vorhanden ist, um eine künstlerisch geordnete Schlnßgrnppe daran concentriren zu können, nnd die melodramatischen Effecte vou Orgelspiel, Glockenklang, Douuer uud Blitz sehleu auch nicht, um die jedesmalige Stimmung musikalisch abzuruudeu; indessen ist doch

Grenzboten. I. 1851. 56