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Georges Sand. III.
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Georges Sand.

m.

In der Mitte der socialistischen Romane, die ich im Vorigen charakterisirt habe, stehen zwei, welche sich an die frühere Tendenz Georges Sand's anschließen: Jsidora und Lncrezia Floriani. Der erste enthält eine würdigere nnd ernster gehaltene Gegenüberstellung der Conrtisane nnd der tugendhaften Frau, als iu den frühern Versuchen der Fall war; beide sind ideal ausgeführt, nnd die Härte des Gegensatzes wird dnrch eine sehr erquickliche Humanität gemildert. Die Buhleriu erkennt in ihrer eigenen Achtung vor der edlen Frau sowohl die Nich­tigkeit ihres frühern Lebens, als die Fähigkeit einer Besserung; sie weiß aber die letztere mit der Heiterkeit einer ursprünglich sreien Natur zu vollziehen, während sonst die Moralisten bei der Gelegenheit gewöhnlich in sehr ermüdende Nen- und Bußpredigten verfallen. Neu uud nicht ohne Interesse ist das Bestreben Jsido- rens, in einem speciellen Fall aus iuuerm Bedürfniß die Maske einer tugend­haften Frau anzulegen nnd eine reine Liebe einzuflößeil uud zu empfinden. Daß sie in diesem Bestreben, welches sie anfangs unendlich glücklich macht, scheitern mnß, und daß sich dieses bittere Gefühl über ihr ganzes späteres Leben breitet, ist die einzige Strafe ihrer Schuld. Alice, die Tugendhafte, ist vielleicht der reinste Charakter, den Georges Sand gezeichnet hat, uud nicht im entferntesten eine empfindsame Tngendabstraction. Der Geliebte beider Frauen, Jacques Lau­reut, unterscheidet sich nicht wesentlich von den übrigen unstäten Idealisten unserer Dichterin, die trotz ihrer weiten Blicke zu keinem festen Halt kommen, bis sie ihn endlich in der gesnnden Natnr eines tüchtigen Weibes finden. In der Lucrezia Floriani ist jenes Ideal der unendlichen Anfopfernng, welche die spätere Periode Georges Saud's bezeichnet, auf die Spitze getriebeu. Lucrezia, eine berühmte Schauspielerin, hat eine Reihe von Liebesverhältnissen, die zwar nicht die äußerliche Weihe des Sacrameuts, aber wenigstens eine Art von sittlichem Inhalt haben. In allen diesen Verhältnissen opfert sie sich auf und wird betro­gen, ohne dadurch gebrocheu zu werden; sie erzieht vielmehr ihre Kinder vor­trefflich, sorgt für ihren Vater, einen alten Fischer, dessen harte, wunderliche Gestalt sehr gut gezeichnet ist, mit rührender Pietät, bleibt mit den Vätern ihrer Kinder, wenn sie sie anch nicht mehr achten kann, in freundschaftlichem Verhältniß nnd erträgt die Lästerungen der Welt mit der Sicherheit eines selbstständigen Charakters. Znletzt kommt sie doch in ein Verhältniß, in dem sie untergeht. Der Prinz Carl Noswald, einer jener abstracten Idealisten, die in einem inten-

Grenzvoten. I. 1851. 52