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Der Tscherkessenproceß in Bromberg.
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kessen flüchten und werden von den berittenen Dragonern auf die Chaussee ver­folgt, dort finden eine Reihe von Angriffen statt, in welchem 1 Dragoner und 2 Tscherkesseu getödtet, 2 Dragouer erheblich verwundet nnd 3 Tscherkessen ge­fangen wurden und welches damit endete, daß die 5 übrigen Tscherkessen sich in das Eiuliegerhaus eines nahe bei Jnowraclaw gelegenen Vorwerks warfen. Die Vorwerksgebände wnrden jetzt auf Befehl des Rittmeisters niedergebrannt, bis ans eines, welches die Flüchtlinge vertheidigten. Eine Nacht verging darüber; des andern Morgens erschien auf Requisition eine Compagnie Infanterie, welche mit Verlnst von 2 Mann das letzte Gebände stürmt, wobei anch dies in Brand gerath und 3 Tscherkessen, einer schwer verwundet, gefangen genommen werden; die beideu andern fand man todt.

In dem öffentlichen Verfahren vor den Assissen von Bromberg wurde durch die Aussage« der Juculpaten uud Zeugen, worunter schwerverwundete preußische Soldaten, festgestellt, daß die Tödtnngen und Verwuudnngeu der Dragoner dnrch die vier gebliebenen Tscherkessen verursacht worden waren. Offenbar waren Zeu­ge», Staatsauwalt uud Uutersuchuugsrichter um die Wette bemüht, das Schicksal der Ueberlebenden so leicht als möglich zu macheu. Dnrch die Geschwornen wurden! die Tscherkessen für schuldig erklärt, der bewaffneten Macht, als einer Abgeordneten der Obrigkeit, sich gewaltsam widersetzt zu haben; und auf Autrag der Staatsanwaltschaft, welcher sich der Vertheidiger anschloß, mit dem höchsten Strafmaß, 2 Jahre Festnngsarrest, vom Gerichtsbose belegt. Publicum und Vernrtheilte'vernahmen deu Spruch unter lauter Ausbrüchen der Freude.

Die Anklage und Einleitung der Untersnchnng gegen die sechs Gefangenen war durch das Gesetz geboten und kann hier einer weitern Beurtheilung nicht unterliegen; ebenso ist das Resultat des gerichtlichen Verfahrens als ein ganz folgerichtiges nnd den Forderungen der Humauität entsprechendes höchlich anzu- erkennen; denn eine zweijährige Festnngsstrafe erscheint dem Loose gegenüber, welches die Deserteure iu Nußlaud erwartet, eine Wohlthat, und am Ende ist es jetzt sehr zweifelhaft, ob die armen Burschen überhaupt ausgeliefert werden; bis die zwei Jahre vergangen siud, kann sich Manches für sie günstiger gestaltet haben.

Die Behandlung der Gefangenen während ihrer Untersuchungshaft uud beim öffentlichen Verfahren war höchst wohlwollend, ja zuvorkommend, und eS ist von dieser Seite Alles gescheheu, was Menschenliebe und zartes Mitleid mit den seltsamen Unglücklichen thun kouute. Auch in hohen Kreisen ist das Interesse für sie rege geworden, und sogar der Kaiser von Nußlaud hat den Vorfalltief beklagt". Die Gefangenen werden auf der Festuug gewiß human behandelt werden, und deutsche Gutherzigkeit wird weuigsteus an ihnen die Fehler gutzumachen suchen, die bei ihrer Gefangennahme vorgekommen sind. Haben ihnen die Bromberger Damen doch bereits, wie erzählt wird, nene Uniformen machen lassen,