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Amerika in geographischen und geschichtlichen Umrissen.
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hatte Anfangs von derselben viel zu leiden. Sie verglichen seine große Nase mit den Hirschhornbergen; als er ihnen Christi Leben und Leiden erzählte, bemerkten sie:Ware er zu uns gekommen, wir würden ihn geliebt haben, und gehorsam gewesen sein. Welche tolle Menschen, die denjenigen todten, der lebendig machen konnte!" Sie lieben ihre nächsten Verwandten, sind aber unempfindlich gegen das Unglück derer, welche ihnen nahe stehen, und es rührt sie wenig, wenn die zu Grunde gehen, denen es an Angehörigen fehlt.

Sie bilden weder einen Staat, noch haben sie eine Regierung oder irgend eine Obrigkeit. Diese Erscheinung erklärt sich aus dem einfacheu Umstände, daß sie aller dieser Einrichtungen uicht bedürfen. Im Sommer wohnen sie in Zelten, im Winter in Häusern oder richtiger in Hütteu, die fünf bis sechs Fuß hoch, zwölf breit und bis zu hundert Fuß lang sind, da mehrere Familien unter eiu und demselbeu Dache zu lebeu Pflegeu. Die Wände sind im Junern mit Fellen behängt, damit die Feuchtigkeit und der Lustzug abgehalten werden. An der Mauer läuft eine Bank, über der Thranlampe, welche zugleich deu Ofen und den Herd ersetzt, hängt ein steinerner oder eiserner Kessel; die Fenster wer­den nicht etwa aus Glasscheiben, sondern ans Eingeweiden der Seehuude und Wallfische verfertigt. Den Eingang bildet ein langer enger Gang, durch welchen die heiße Luft entweicht, und obwohl keine Thür vorhanden ist, so herrscht in der Hütte doch eine solche Wärme, daß die Grönländer selbst im Winter fast unbekleidet in derselben sitzen. Ein Europäer kaun in solchem Duust uud Schmutz nicht ausdauern.

Da der Grönländer hauptsächlich von dem Ertrage lebt, den die See ih.m gewährt, so wendet er große Sorgfalt auf den Bau seines Bootes, das er Mit großer Gewandtheit zu rndern uud zu lenken versteht. Das Kayak oder Män­nerboot ist etwa zwölf bis vierzehn Fuß lang, nur anderthalb Fuß breit, zwölf Zoll tief, hat ein aus Holz und Fischbein zusammengefügtes Geripp, das anf beiden Seiten mit wasserdicht gemachten Hänten überzogen ist, und ein Ge­wicht von höchstens dreißig Pfuud. In der Mitte befindet sich eine mit einem Reifen versehene Oeffnnng, in welche der Eskimo hineinkriecht. Dann befestigt er seinen ans Seehnndsfellen verfertigten Rock an demselben, uud sitzt nnn mitten auf dem Meere vollkommen trocken. In seinem leichten Nachen fliegt er so sicher wie ein Seevogel über die Wellen hinweg, auch bei der strengsten Kälte ist er warm von seinen eigenen Ausdünstungen. Selbst wenn das Kayak um­gestülpt wird, so genügt ein Ruderschlag, um es wieder iu's Gleichgewicht zu bringen. Wer aber sein Nuder verliert, ist unrettbar verloren. Die Umiaks find Weiberboote, noch einmal so lang, drei- bis viermal so breit als die Kayaks, sehr elastisch, aber mit flachem Boden uud darum nur für eine ruhige See geeignet. Sie werden von vier oder fünf Weibern gerudert, denen auch bei den Eskimos