Beitrag 
Charakterbilder aus der Deutschen Restaurationsliteratur : Zacharias Werner. 2.
Seite
505
Einzelbild herunterladen
 

5ft5

Doch bleibt es was Verruchtes, Daß, wenn man ernstlich hat im Pflug, im Stalle, Durch Duug und Fraß, in sich der Welt genutzct, Man manchmal doch mit Heu das Horn sich putzet Und brüllt (zum Scherz, versteht's!) so thun wir's Alle! Kurzum, bald frißt man und bald kaut man wieder! Natur und Kunst! Lebt wohl, ihr Herren Brüder!"

Ich denke, das wird genug sei». In ähnlichem Styl sind alle die übrigen Gedichte gehalten; so das bekannte Bnszgedicht:die Weihe der Unkraft" (-1814), ferner die Dramen:die Kreuzeserhöhnng" (1820), unddie Mutter der Maccabäer" (1820). Werner lebte in Wien, mit den übrigen Apostaten, von den großen Herren, denen damals diese neue religiöse Richtung als ein Moment des conservativen Princips erschien, sehr begünstigt; er faßte 182-1 den Entschluß, in den Orden der Redemptoristeu zu treten, eine nene Auflage der Jesuiten, für die er schon in Rom sehr geschwärmt hatte. Er trat zurück, uvch ehe er sein Noviziat begon­nen, aber in seinem Testament unterzeichnete er sich doch als Priester und Nedemp- torist. Er starb im Januar 1823. Wir werden iu einem spätern Aufsatz seine Nachahmer in der Deutschen Literatur skizziren, von denen keiner in der Verir- rung so weit gegangen ist, keiner aber mich so viel Talent mitgebracht hat. Werner's Leben kann unsern Romantikern zur ernsten Warnung gereichen. Es ist doch ein unbestreitbares Talent, und sein Streben ist zwar von vorn herein ungesuud, aber doH nicht ohne eine gewisse Energie und selbst eine Art Ueberzeugung; sobald man aber die eigene Genialität oder Inspiration berechtigt glaubt, sich über die Regeln des Verstandes und über die Natur des Allgemeingefühls hinwegzu­setzen, geräth man in ein Labyrinth, aus dem kein Ausweg führt. Manche unsrer neuern Poeten, die in die Welt hineinpoltern, was ihnen eben einfällt, ohne nach Maß uud Regel zu fragen, können sich an ihm ein Beispiel nehmen. I. S.

Lamartine'S neueste Schriften.

Wir wollen hier nicht von der politischen Thätigkeit des berühmten Lyrikers reden. Wenn er in diesem Augeublick sich als Bonapartist mit republikanischer Färbung gen«, so läßt sich erwarten, daß ihm für die Rechtfertigung dieser neuen Wendung eben so viel Phrasen zn Gebote stehen werden, als in den zahlreichen Metamorphosen, die er früher durchgemacht hat. Er bleibt, was er immer ge­wesen ist, ein lyrisch-rhetorischer Politiker, uud Witz, Einfälle, Empfindsamkeit, Stimmung ersetzen bei ihm die Energie der Ueberzeugung und den klaren Verstand eines bedächtigen Entschlusses. Schou unter der Julidynastie war man gewöhnt, Grcnzboten. II. 1851. 6i