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Charakterbilder aus der Deutschen Restaurationsliteratur : 2. Heinrich v. Kleist.
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dem enthält das Stück barockere Züge, als irgend ein anderes von Kleist, Züge, die mitunter an Hoffmann erinnern; so namentlich die Entpnppung der schönen Knnignnde, die sich als ein ausgestopftes Schensal erweist, ohne daß irgend ein dramatisches oder ästhetisches Motiv bei dieser Verwandlung zn erkennen wäre.

Fassen wir das Ergebniß dieser einzelnen Reflexionen zusammen, so werden wir in Kleist einen der wenigen Dichter unsrer Nestanrationsliteratnr erkennen, die das Zeitalter zn überleben bestimmt sind. Er hat mit Arnim, Brentano, Hoffmann u. s. w. die wirklich poetische Anlage uud die krankhafte Richtung des Gemüthes gemein, aber er unterscheidet sich wesentlich von ihnen durch die Energie und Vollendung der Form. Auch in seinen besten Werken wird uns zuweilen die Erinnerung an sein unglückliches Schicksal unheimlich berühren, aber in allen werden wir die hohe poetische Kraft, die echt Deutsche Gesinnung und das leiden­schaftlich bewegte Herz wiederfinden. I. S.

Skizzen aus Straßburg und dem Elsaß.

Es ist ein schönes, von der Natur reich gesegnetes Land, mit tüchtigen, streb- samen und intelligenten Bewohnern, dieser Elsaß, eine der wohlhabendsten der Provinzen Frankreichs. Man kann diese blühenden Städte, in denen, wie be­sonders in Kolmar und Mühlhausen, eine arbeitsame Industrie sich regt, diese üppigen Weizenflnren, gut bebauten Nebhügel, grünen Wälder nicht ohne Trauer und Zorn, daß »ns Alles dies für immer verloren gegangen ist, durchwandeln. Aber hat unsern Deutschen Fürsten dies schmachvolle Beispiel, wohin Deutsche Uneinigkeit und Schwäche sührt, wol im Mindesten Etwas genützt, sind wir nicht eben wieder im Begriff, einen andern unsrer besten, edelsten Gauen, das unglückliche Schleswig-Holstein, einem fremden Feinde hinzuopfern?

Daß man sich in Frankreich befindet, fühlt man schon bei dem ersten Schritt, den man auf Elsassischen Boden thut, wenn man die nicht sehr breite Rheinbrncke bei Kehl passirt hat. Schon der kleine, rothhosige Soldat, der in bequemer, nachlässiger und dabei doch wieder militärischer Haltung sich auf sein Gewehr lehnt, hat einen ganz andern Typus, wie sein Badischer Kamerad, der nur etwa zwanzig Schritte weit von ihm postirt ist. Es ist Sitte in Frankreich, die Regimenter hänfig wechseln zu lassen, und so sind denn manche der zahlreichen Soldaten in Straßbnrg Sohne der Gascogne oder Provence.

Was Einem gleich beim ersten Schritt auf Französischem Boden jetzt in die Augen fällt, und was man bis zum Ueberdruß auf jedem öffentlichen Gebäude, von dem größten Palast bis zum kleinsten Schuppen, der zur Aufbewahrung der Dreckkarren dient, angepinselt sieht, sind die großen Worte: „?i'0Mvre nationale,

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