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Die gegenwärtige Lage des Ministeriums Russell.
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Die gegenwärtige Lage des Ministeriums Rnffell.

Die fünfte Session eines Englische» Parlaments ist immer eine kritische für das bestehende Cabinct. Die nahe Auflösung macht die ministeriellen Mitglieder, welche den Preis für ihre Unterstützung bereits in Händen haben, kälter in ihrer Anhänglichkeit, nnd diejenigen, welche des Lohnes noch harren, dringlicher in ihren Anforderungen nnd allzngeneigt, dem Ministerium durch Widerspenstigkeit Con­cessionen abzutrotzen. Bei den unabhängigen Mitgliedern frischt die Aussicht ans die bald bevorstehende Neuwahl die Erinnerungen an die Versprechungen ans', die sie ihren Cvnstitncnten ans den Hnstingö gemacht haben, sie bestürmen das Cabinet mit Resormanträgen, nnd auch die eigentliche Opposition trägt Sorge, durch lebhaftere Angriffe ihr Dasein den Ministern und dem Lande bcmerklich zn machen, nnd sich in kluger Vorsorge für die allgemeinen Wahlen einen frischen Vorrath von Popularität einzulegen. Und während durch diese Umstände die ministerielle Phalanx gelockert und die Opposition gekräftigt wird, scheut sich das Cabinet gewöhnlich, einem Parlament, dein die nahe Auflösung viel von seiner Autorität nimmt, Maßregeln von großer Wichtigkeit vorzulegen. Dadurch geräth es leicht iu Gefahr, die Direction des Hauses ganz nnd gar zu verlieren.

Das diesjährige Parlament macht von dieser regelmäßig wiederkehrenden Stimmnng keine Ausnahme, aber dennoch glaubte man, daß die Sessiou für das Ministerium ruhig vorübergehen werde. Die große Indnstrieansstcllnng lenkte die Geister von den politischen Fragen ab, das Bndgct zeigte einen Ucberschnß von 2 Millionen Pfnnd, nnd der Schatzkanzler konnte also die Lasten der Steuer­pflichtigen beträchtlich erleichtern; nud Lord Johu Russell's kräftiger Brief gegen das päpstliche Breve, das ganz England, ohne sich um die Regierung zn kümmern, in katholische Bisthümer nnd ErzbiSthümcr theilte, hatte sogar die Masse, der Conservativen in enthusiastische Anhänger verwandelt. Man erwartete und for­derte wenig von dem Ministerium: eine Negelnng nnd wo möglich Ermäßigung der Einkommensteuer, die in Folge des Überschusses leicht zn ermöglichen war, eine Reform der Kanzleigerichtshofs, eine schon seit mehrern Sessionen stets versprochene nnd stets hinanSgeschobenc mäßige Anödchnnng des Wahlrechts, nnd endlich einen wirksamen Schutz gegen die drohenden Uebergriffe des päpstli­che» Stuhles. Befriedigte das Whigmittisterim» diese gewiß sehr bescheidenen Forderungen, so konnte es ans einen beträchtlichen Zuwachs seiner Macht und seiner Popularität nnd auf einen langen Bestand rechnen.

Diese schöne Stellung hat sich daö Ministerium Nnsftll durch Halbheit nnd Schwäche in wenig mehr als 16 Tagen ganz und gar verdorben, nnd was Anfangs eine Bedingung seiner Stärke zn sein schien, ist durch eigene Schuld Haupt-