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Ein Genrebild aus dem Feldzng in Schleswig-Holstein.
Ich hatte einen Freund, der stand als Kanonier bei einer Schleswig-Hol- steinschen Batterie. Seinen Vatersnamen habe ich schon wieder vergessen oder eigentlich wol nie gewußt; bei der Batterie, bei welcher er stand, nannten ihn seine Kameraden bei seinen Vornamen „Hans-Peter." Hans-Peter war ein gar seltsamer Kanz, und wer ihn einmal gekannt hatte, vergaß ihn so leicht nicht wieder. Eiu großer stattlicher Bursch vou kräftigem Gliederbau, so daß, wo er einmal hingeschlagen hatte, kein Gras wuchs. Sein Gesicht war rund und dick, und daß er sich mit Nachdenken nicht allzuviel abzugeben liebte, sah man demselben auf den ersten Blick an. Die prallen Backen hatten die Rothe der Sonnenseite eines gut gereiften Borstorser Apfels, der Mund war gerade von der rechten Länge nud Breite, daß der wvhlgesüllte Löffel mit dicker Grütze bequem Hineinsahren konnte; das Haar flachsfarbig, die grauen Augen etwas stierigen Blickes. Daß er kaum dem Namen nach wußte, was eine Krankheit sei, konnte man seiner ganzen Gestalt gleich ansehen. Bemerkenswerth aber war sein unerschütterliches Phlegma nnd sein nie zu stillender Appetit. Selbst im Schleswig- Holsteinischen Heere, wo an Soldaten mit großem Phlegma und gntem Appetit kein Mangel war, hatte sich „Hans-Peter" eine Art Ruf erworben.
Seine erste Bekanntschaft machte ich in einer der Strandbatterien bei Eckern- forde, gleich am nächsten Morgen, nachdem diese beiden Batterien mit ihren acht Geschützen einen zehnstündigen Kampf mit den 122 Kanonen des Christian VIII. und der Geston siegreich beendet hatten. Hans-Peter war zufällig in Eckernförde auf dem Nachmarsch zu seiner schon vorausgernckten Strandbatterie gewesen. Wie er die Dänische Flotte in den Eckernförder Hafen hineinsegeln sah, hatte er seinen unzertrennlichen Begleiter, einen mächtigen Brodsack mit Brod und Butter, umge- h angen, war muthigen Schrittes nach derjenigen Batterie, die dem heftigsten Feuer ausgesetzt wnrde, hingegangen, nnd hatte an den Commandanten in seiner gewöhnlich schläfrigen Mundart die Frage gethan: „Känt See mir hüüt brücken, ick bün der Kanonier „Hans-Peter", von der Batterie Nr. X." Der tüchtige Artillerist war natürlich eine erwünschte Hilfe, da es an geübter Mannschaft in den Strandbatterien fehlte, und so hatte man ihn denn gern bei einer Kanone zugetheilt. Als das Dänische Linienschiff der Batterie seine erste volle Lage mit den schweren Geschützen und der ganzen Breitseite gegeben hatte, so daß aller Boden tief von den einschlagenden Kugeln aufgewühlt wurde, war „Hans-Peter" in den Ausruf ansgebrochen: „Suh dat is cen ornlich Muul vull Klümpp (Klöße), nu Chrischau kriegst du wedder eenen," nnd dabei hatte er sehr rnhig und sicher gezielt nud sein Geschütz abgefeuert; als gingen ihn die feindlichen