Heft 
81 (1922) 81. Jahrgang.
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457
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Die Grenzboten

Politik, Literatur und Kunst

81. Jahrgang, 11. November 1922 Nummer Nr. 41 bis 44

Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten.

Von Sewatspräsidenten a. D, Moibert Schmölder, Cossol.

Die Bedeutung dieses Kampfes vermag Mir der richtig einzuschätzen!, der 'sich auch vor Augen hält einmal! das weite Gebiet 'der ^Lz-'MUis insontium", d. h. der Erkrankungen >auf einem anderen Woge, als dem. .des außerehelichen GeMeckMverkehrs und dann die weitgehenden Folgen dieser Krankheiten.

Auls dem Gebiet der ,,8^MIi,s in,sontium" Aunächlst ein Fält, d!en der Pariser Arzt GqrthÄsnvy «us.ftme« Praxis «bemchtet: ^ochsjahviMs Mädchen spielt iir den Ehamps Elysees. Es fällt und verletzt sich auf dein scharfen Kieß ein Kniechen. Die Voins» eilt herbei, «benetzt chr. Taschentuch mit ihrem Speichel und reinigt so die Wunde. Mit .achtzehn! Jahren »rar das spielende Kind ei>nie Veteranin der Syphilis." Ein anderer Fall wird aus Köln berichtet. Dort hat im Bürgerhospital auf der Station ifür Geschlechtskranke eine unberührte Jungfrau «gelegen, der ein Unbekannter iin Gedrän.ge des Karnevals einen Kuß auf die Lippen gedrückt hatte. Jahraus jahrein erkranken Aerzte, Hebammen und Wärterinnen bei der 'Ausübung ihres Berufes, andere Personen- bei dem: gemeinsamen Gebrauch von Wasch-, Trink- und Arbeits«- geräten. In leiner hessischen Kinderheilanftalt hat sich die Gonnorrhoe eines Kindes auf viele andere Kinder übertragen, Zahlreich sind die Krankheits­übertragungen zwischen! Amme und Säugling, unendlich zahlreich die Ueber- tragnngen in der >Ehe von dem einen Ehegatten, der sich für geheilt hält, auf den -anderen und von den! El-tern .auf die Kinder. .

Was dann die Folgen dieser Krankheiten betrifft: Die Syphilis macht vor keinem Dsil des «menschlichen Körpers halt. Sie befällt auch die inneren Organe, die Blutgefäße und das Nervensystem, Augen- und Qhvenleiden sind oft, Rnckennüarksdarre .und Gehirnschwnnd sind beinahe immer Spät- erscheinungeu der Syphilis. Auch die Gonorrhoe, greift herüber auf, andere Teile des Körpers. Sie ist die Ursache Kahlreicher Erblindungen. Bei der Frau ist sie in vielen Fällen unheilbar oder sie erfordert doch eine schwer« Operation. Die Kinderlosigkeit der Ehe ist meistens auf Gonorrhoe zurück­zuführen.

Professor BlasckBo bemerkt -in denSchriften der Zentvalkvmmission der Krankenkassen Berlins":Ein! Fall für viele: ein Arbeiter ist durch den Verkehr mit einer Kellnerin syphilitisch >geword«n. Er infiziert nun seine Frau und