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Kleinbilder vom Riederrhein :
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des Nachts im Förderkoro und bleibe stecken. Ich halte die Bohrmaschine an die Brust und schlage mit dem Pickel drein, und die Schollen rieseln nur!so! Und wenn ich des Morgens einen leichtfröhlichen Wolkenzng aus Frankreich kommen sehe, fröhlich wie eine Kleinkinderschule, so mnß ich am Abend wahrnehmen, daß dieselbe Schar, prall aufgefüllt aus dem ^unbesetzten Vaterland zurückkehrt ins Abendleuchten der Sonne: eine unermeßliche Schar goldener Dstikaten! Glück auf! mein Baterland, Glück auf! Wo geschafft wird, dorthin kehrt sich das Glück!

Weltspiegel.

11. Oktober.

Seit einigen Wochen ist die Orientkrise so sehr in den Vorder­grund der Ereignisse getreten, das; sich die Betrachtung der Weltlage ihr vornehmlich zuwenden muß. Wir erleben das merkwürdige Schauspiel, daß die besiegte Türkei, die ja doch für ihren Eintritt in den Weltkrieg als Bundesgenosse der Mittelmächte nach der neuen Ententetheoriebestraft" werden "sollte, in Kleinasien als Herrin der Lage auftritt und dem mächtigen England in einer Weise die Zähne zeigt, wie es das britische Weltreich lange nicht erlebt hat. Und dabei sieht sie sich von Frankreich ganz offen­kundig unterstützt.

Um diese merkwürdige Lage zu verstehen, wird man gut tun, sich der herkömmlichen Orientpolitik Frankreichs zu erinuern. Seit den Zeiten, da Frankreich, um seine Interessen und seine Machtgelüste zur Geltung zu bringen, die Habsburgische Macht in Europa mit alleu Mitteln bekämpfte, also seit den Zeiten Kaiser Karls V-, hat Frankreich sich bemüht, gute Beziehungen mit der Türkei zu erhalten, ein Verhältnis, das nur unter ganz bestimmten politischen Konstellationen zeitweise unter­brochen war. Je mehr Frankreich von seinem Standpunkt aus die europäische Mitte fürchteu zu müssen glaubt, desto mehr sorgt es dafür, daß es mr Rücken der ihm unbequemen Mächte Freunde hat. Es war ihm sehr unangenehm, daß die'Türkei ihm für längere Zeit entglitten war, indem sie sich der damals militärisch stärksten und vom türkischen Stand- Punkt gesehen uneigennützigsten Macht Mitteleuropas anschloß. Die Türkei beobachtete dabei eigentlich den gleichen Grundsatz, von dem sich Frankreich leiten läßt, wenn es die Freundschaft der Türkei, Polens und anderer östlichen Staaten sncht. Wir haben vielleicht in der Zeit der wirtschaftlichen, politischen und moralischen Erfolge Deutschlands im nahen Orient zu sehr vergessen, daß Frankreich im Orient ein seit Jahrhunderten gefestigtes Ansehen besaß, das Wohl durch die harten Forderungen einer realen Jnteressenpolitrk zeitweise zurückgedrängt, aber niemals ganz zer­stört werden konnte. Hand in Hand damit ging der alte, durch das Ober­haupt der katholischen Christenheit förmlich anerkannte und vertragsmäßig festgelegte, auch trotz allen Widersprüchen nie aufgegebene Anspruch Frank­reichs auf das Protektorat über alle katholischen Christen in den Ländern des Islam.

Das alles erklärt, warum Frankreich durchaus nicht gewillt war, seine Hand etwa deswegen von der Türkei abzuziehen, weil es durch die allgemeine Lage am Schluß des Weltkrieges gezwungen war, äußerlich die Türkei ebenso zu behandeln wie Deutschland, Oesterreich-Ungarn uno Bulgarien. Es