Die Grenzboten
Politik, Literatur und Kunst
81. Jahrgang, 14. Oktober 1922 Rummer Nr. 37 bis 40
An unsere Leser.
Auch an den „Grenzboten" macht sich die schwere Not der Zeit bemerkbar. Da wir es aber für unsere Pflicht ansehen, ein Unternehmen wie dieses, das bisher mehr als acht Jahrzehnte allen Stürmen Trotz bot, am Leben zu erholten, solange es selbst sich lebenskräftig fühlt, fo haben wir eben getan, was jedermann in ähnlicher Lage tut, — wir haben uns eingeschränkt. Leider läßt sich auch die zuletzt durchgeführte Erscheinungsweise (in vierzehntäglichen Doppclheften) mit Rücksicht auf die beispiellos gestiegenen Papier- und Druckkosten nicht weiter aufrecht erhalten. Darum bitten w'r unsere Freund«, dem gemeinsamen Interesse cm der Sache in nächster Zeit noch ein weiteres Opfer zu bringen, d. h. vorübergehend sich mit eiuer vierwöchentlichen Ausgabe der „Grenzboten" zu begnügen. Auf diese Weise hoffen wir, unser Schifflein glücklich "weiterzuleuken, um bei eintretender Besserung der Verhältnisse wieder zur ursprünglichen Erscheinungsform zurückzukehren. Auf frühere gute Erfahrungen gestützt, hoffen wir auch dieses Mal der verständnisvollen Treue unserer Leser sicher zu sein.
Verlag und Schriftleitung der „Grenzboten".
Biologie und Weltanschauung.
Von Prof. Dr. H. G. Holle.
Mit der völligen Umwälzung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse ist idas seelische GlckchMmcht und idamiit wie Bereitschaft zum H a n dein auch in den Gemütern gestört, die dem Materialismus der Gesinnung und der LsbeusführunW noch nicht verfallen waren, der bei der Umwälzungi als treibende Kraft w'iente und nun in einer hemmungslofen Genußsucht sich auslebt. Eine gsiftigc Strömung hat ihr Zie!l erreicht, damit aber auch