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Kleinbilder am Niederrhein.
Von Nikolaus Schwarzkopf. 1. Der Glücksbauer.
Früher dachte ich mir die Sache so: Ein Bäucrlein pflügt seinen Acker an der Ruhr, Immer an derselben Stelle bleibt die Pflugschar hängen, und der Ochs muß die Peitsche spüren. Einmal aber reißt die Pflugschar einen Brocken los, der fliegt schwarz herüber auf die Schollen. Aha! denkt der Bauer, läßr den Ochsen halten, holt die Hacke und . . . soweit er hackt, ist das Feld steinig und schwarz, also voller Kohlen! Schlau, wie er ist, gräbt er an verschiedenen Stellen seines Feldes und sindet ein riesiges Lager. In der Nacht forscht er auf den Feldern seines Nachbars und tauft am nächsten Tag alle Aecker heimlich zusammen. Nun beginnt er, den Schatz zu heben, schafft Gäule an und einen Wagenpark, und die ganze Provinz bezieht von ihm den Winterbrand! Er kann nicht Gäule genug kaufen, nicht Fuhrknechte genug halten! Er baut sich schon ein Schlößchen, er kann sich das leisten! Am Ende des einen Feldes schlangelt sich faul und verträumt zwischen Blumen und unter Weidenkätzchen die Ruhr, und ihre Forellen schwingen sich aus Uebermut zappelnd in der Lust und schlagen richtiggehende Purzelbäume! Der Schloßherr läßt Schleppkähne anfahren, beladen, abfahren! Bis nach Mainz hinaus müssen sie! Ueberall im deutschen Vaterland rauchen Schornsteine, Eisenbahnen qualmen Rauch von der Ruhr: warum sollen nicht Schisse von demselben Rauch qualmen? Sie qualmen schon! Die klaren Wellen mit den Forellen werden toll gepeitscht, und allen Fischen wachsen die Augen. „Eisen herbei!" ruft der Schloßherr, „ich baue mir Bahn und Schisf selber." Das Eisen fließt, ergießt sich, erstarrt und stampft am Fluß hin und im Fluß hin.
Das Feld senkt sich von dem Abbau. Messungen, von den ersten Ingenieuren ausgeführt, ergeben, daß der Abbau „über Tag" sich erschöpft: da wird der erste Schacht geschlagen, und auf dem „Arschlcder", das jetzt nur noch an der Galauniform der Bergleute zu sehen ist, rutschen Hunderte von schwarzen Männern „unter Tag". Aus meiner Heimat sließt Grubenholz nach der Ruhr; ich weiß erst jetzt richtig, was das ist. Bergknappen blasen in den Gassen und verkaufen Heftchen vom großen Grubenunglück des letzten Jahres. Ha, wie ich das jetzt alles so genau weiß! .Die große Zeit kam rasch; sie ist dort unten, wahrlich, nicht kleiner geworden. Ich bin der festen Hoffnung, daß von dort aus die Not zerstampft Werden wird, denn unsere Väter und Großväter waren noch Bauern!
2. Hochöfen.
Fünf Hochöfen nebeneinander gebaut, das sieht man selten! Die gleichmäßige Wiederholung all der gigantischen Linien und Formen löst gleich gotischen Fialen eine entzückende künstlerische Wirkung aus, die. ins Niesenhafte gestaltet, urweltlich klingt. Aus dem schwarzen Gestänge rattert sich eine Förderkatze empor und steigt rasch und doch von ungeheurer Last gewaltsam verzögert, den steilen Schienenweg hinan, und der Lastkorb senkt sich. Im gleich verhaltenen Tempo kommt eine zweite von oben herunter und schleppt den belasteten Korb, der an fünfhundert Zentner wiegt, aus dem schwarzen Gestänge hinan und senkt sich gemächlich wieder ins schwarze Gestänge. Am dritten Ofen gleitet, von unten gesehen, kaum sieben Meter entfernt, eine gleiche Katze nieder und hinten hebt sich der Korb an seinem wuchtig gekrümmten