— 349 —
bahnung zur olffenbarungartig-schnellen Aufnahme des Kunstwerkes dienen, weil sie der Art unserer Apperzeption entsprechen: dann aber die Regungen des Gemütes: Aufschwung und Trauer, Mitleid und Abscheu, Hoffnung und Furcht, Spannung und Lösung, Bewunderung und Abscheu, Diese sind nicht unerläßlich für ein Kunstwerk: ein griechisches Bildwerk, ein Stilleben, ein musikalisches Capriccio bleibt im Rein-Aesthetischen, es sei denn, daß man auch hier noch von der Bewunderung der schöpferischen Natur und vom Nachfühlen und Mitgenießen der Schvvferfreude und der Kunstfertigkeit des Schaffenden sprechen will. Jedenfalls aber bleibt die geistige Idee, die Gemütsgewalt, der Seeleninhalt eines Kunstwerkes ein Plus, das sogar oft genug reinästhetische Mängel völlig übersehen läßt. Das Feldgeschrei „Die Kunst sür die Kunst" konnte nur entstehen, weil man dies Plus als nicht u n mittelbar zum künstlerischen Bilden gehörig mehr oder weniger deutlich empfand. Dem fortwurstelnden Nach- tretertum und den Nichikönnern gegenüber lag hier ein gewisses berechtigtes Pochen auf das Machenkönnen — allerdings die erste, eigentlich selbstverständliche Anforderung an den Künstler — zugrunde. Aber wir wissen, daß dieses Könnertum zur bloßen Virtuosenhaften Darstellung des geistig völlig Belanglosen führte und daß wir eben wieder in erne Zeitbewegung eingetreten sind, die wenigstens die Sehnsucht nach dem seelischen Plus verrät. Die Lyrik redet 'in Zungen, das Drama sucht das Symbolische, die bildende Kunst die „Expression": Weltabgewandtheit aus Ueberdruß und Entsetzen vor der Gegenwart.
(Fortsetzung folgt.)
Morgenländisches in unserer Sprache.
Von Prof. Dr. W. Berg (Karlsruhe).
3. Jiddisch Das Feuilleton. Der ferne Osten. Jüdischen Ursprungs ist in unserer Sprache eine Menge von Wörtern wie „kapores, schachern usw.", die im Mittelalter in die Geheimsprache der Gauner, das sogenannte Notwelsch, übergingen und von da aus durch die Vermittelung der Soldaten-, Handwerker-, vor allem aber der Studentensprache in den allgemeinen Sprachschatz übergingen. Das Wort Rotwelsch ist abzuleiten von mhd. rot — Bettler,' Wohl von mhd. rot«z aus mittellateinisch rupta. — Schar, Haufe, und welsch-fremdländisch, unverständlich. Derartige Wörter sind z. B. „B o ch e r" — Jüngling, Student, aus dem hebräischen ba-ekur — Jüngling: :„Ganner" — listiger Betrüger: nn 13. Jahrhundert auch „Jauner": es stammt aus dem Rotwelsch des 15. und 16. Jahrhunderts, wo es .sonor — Spieler, Falschspieler, der im Lande umherzieht, ist und ist abzuleiten aus hebräisch ja-na,, bei den Juden jono gesprochen, das „Gewalttätigkeit üben, übervorteilen, betrügen, überlisten" bedeutet. Weiterbildungen davon sind „Gaunerei, gauuerisch, gaunern, begaunern". ' Ferner: Die „Kabrus ch e", d. h. Kameraden, besonders bei schlechten Handlungen: 1735 rotwelsch: Ob-ibrusss: im Eisässer Judendeutsch: Kafruse. „Kalle" — Liebste in verächtlichem Sinne, vom hebräischen Xa.IIa.d. — Braut, Geliebte: in der Umgangs-