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abwarten, bis das neue italienische Kabinett gebildet worden sei. Aber nun drängte Poinccir6, in dessen Pläne diese etwas allzu behäbige Behandlung der schwebenden Fragen nicht paßte, auf eine baldige Besprechung. So hat man sich denn doch auf d e n 7. A n g u st geeinigt, um wenigstens die dringendsten Entscheidungen zu treffen. Vorher aber hat Poincars das Bedürfnis gefühlt, noch "einmal zu zeigen, daß er der alte geblieben ist. Die deutsche Regierung hatte in einer an die einzelnen Ententeregierungen gerichteten Note um Herabsetzung der regelmäßigen Z ah l u n g s r ci t e n im Ausgleichsverfahren von 2 Millionen Pfund auf eine halbe Million gebeten und das eingehend mit der gänzlichen Erschöpfung ihrer Zahlungsfähigkeit begründet. Frankreich hat dicfe Note, die nach dem Znsammenhang der Dinge nur nach Beratung mit den anderen Ententemächten erledigt werden konnte, selbstständig beantwortet, indem es das Gesuch in ungewöhnlich schroffer Form — um es möglichst gelinde auszudrücken — ablehnt und dabei — was natürlich für Poincare die Hauptsache war — mit „besonderen Maßnahmen" und Sanktionen drohte. Unsere Reichsregierung hat glücklicherweise dieses freche Ultimatum ruhig, aber fest zurückgewiesen. Wie nun Frankreich sein altes Spiel weiter treiben wird, werden wir bald sehen; zunächst ist bezeichnend, daß sogar Belgien in diesem Falle gegen das französische Vorgehen offenen Protest erhoben hat. W, v. Mcissow.
Bücherschau.
Geschichte.
Friedrich Schneider, Aus den Tagen Heinrichs XXII. souv. Fürsten Neuß ä. L. (1867—1902). Aktenstücke, Aufzeichnungen und Briefe. Aus Deutschen Archiven. Heft 1. Greiz i. V. und Leipzig, Kommissionsverlag H. Bredts Nachf. Ernst Seyfert. 1921.
Die Gestalt des fürstlichen Sonderlings hat manche kleine Episode in der deutschen inneren Staatsverwaltung unter und nach Bismarck hervorgerufen, die den Zeitgenossen noch in Erinnerung haftet. Der Jenenser Privatdozent ermöglicht nun zum ersten Mal genauere Einblicke in Wesen und Regierungsart des Preußenfeindes.
Gustav Noloff, Die Bilanz des Krieges. Ursprung, Kampf, Ergebnis. Königstein i. T., K. R. Langewiesche, 1921. 12 M.
Der „Verlag der Blauen Bücher" darf dazu beglückwünscht werden, daß er eine Geschichte unserer Zeit von so edlem Gehalt, ecksthistorischer Gesinnung und werbender vaterländischer Wärme im Volk verbreitet. Der Gießener Historiker hat den Stil gefunden, in welchem der Leser das SeWsterlebte zur gemeinsamen nationalen Sache erhoben wiederfindet und indem er sich den Zusammenhang der Dinge aneignet, die deutsche Schicksalsgemeinschaft stärker empfinden lernt. Diese versöhnende und erhebende Art des Buches läßt auch für den Rezensenten die Punkte, in denen er anders urteilt als der Verfasser, zurücktreten. Sichtlich ist Roloff in der Auffassung der Vorgeschichte wie des Verlaufs des Weltkrieges