Die Grenzboten
Politik, Literatur und Kunst
81. Jahrgang, 29. Juli 1922 Nummer 28
Um Msmarck.
Zwanzig Briefe aus dem Weimarer Staatsarchiv.
Zu»! ersten Mal herausgegeben von Archivar Dr. Felix P i s ch e l. I. Die Entlassung.
' 1. Heer wart, Bundesratsbevollmächtigter, an Carl Alexander.
Durchlauchtigster Großherzog! Ew. Königlichen Hoheit beeile ich mich untertänigst zu melden, daß nach einer mir soeben — abends 10 Uhr — zugehenden zuverlässigen Mitteilung der Reichskanzler seine Entlassung aus allen seinen Aemtern erbeten hat und zweifellos erhalten wird. Auch der Graf Bismarck und sämtliche Minister werden ihre Portefeuilles zur Verfügung stellen.
Das Verhalten des Reichskanzlers in den letzten Iahren, namentlich das völlige Ignorieren der in seinem Palais tagenden europäischen Delegierten- Konferenz und der wiederholte Empfang des Abgeordneten Windthorst, über welchen er Sr. Majestät dem Kaiser am Sonnabend befriedigende Aufklärungen nicht hat geben können, scheinen das ohnehin tief erschütterte Verhältnis gänzlich unhaltbar gemacht zu haben.
Die Entlassung des Reichskanzlers, welche zweisellos einen Wendepunkt in der Stellung des Reiches zum Ausland und in der inneren Politik bezeichnet, wird wahrscheinlich schon morgen öffentlich bekannt werden, die Entschließung auf die Erklärung der übrigen Minister aber erst später erfolgen.
In tiefster Ehrfurcht Ew. Königlichen Hoheit untertänigster
H e e r w a r t.
Berlin, 17. März 1890.
L. Heer Wart, Bundesratsbevollmächtigter, an Carl Alexander. Durchlauchtigster Großherzog! Ew. Königlichen Hoheit beehre ich mich über die Vorgänge, welche zu dem Entlassungsgesuch des Reichskanzlers geführt haben, auf Grund vertraulicher Mitteilungen, folgendes untertänigst zu berichten
Bei dem Besuche des Kaisers im Palais des Reichskauzlers am letzten Sonnabend. 15. März, kam es zu einer Auseinandersetzung über die mit