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Bücherschau.
Geschichte.
Philipp Zorn, Der deutsche Staatsgedanke. Schriften der Fichte- gesellschaft. Deutscher Staat I. Leipzig, R. Voigtländer, 1321. 9 M. An großzügigen, einheitlichen Darstellungen der deutschen Staatsentwicklung besteht fühlbarer Mangel. Nicht zufällig, denn unsere Staatsgeschichte ist keine organische, sondern eine tragische Kette von Anläufen und Zusammenbrüchen, von heroischen Gesamtleistungen und partikularen Auswüchsen. Aber gerade deshalb müssen wir aus ihr lernen, denn unsere Geschichte ist unser Schicksal. Zorn gibt nnr eine Skizze; aber gerade als solche wird sie vielen willkommen sein. Man darf die Fichtegesellschaft dazu beglückwünschen, daß sie diese kurzgefaßte politische Geschichte an den Anfang einer Schriftenreihe „Deutscher Staat" gesetzt hat. ^
Walther Classen, Das Werden des deutschen Volkes. Erster Band. Hamburg, Hanseatische Verlagsanstalt, A.-G. Geb. 80 M. und Teuerungszuschlag.
Ein sehr eigenwüchsiges Buch, zum Teil an Kabisch, zum Teil an Walter Flex erinnernd, und doch wieder etwas Unvergleichbares. Jedenfalls keine Geschichte im üblichen Sinn; viel Stimmung, sogar Dichtung, lebhaftes Sichversetzen in vergangene Welt, und über dem allen ein inbrünstiges Dcutschscin, welches alles, das einmal deutsch war, wie gegenwärtig umfaßt. Dieser erste Band geht bis zum Untergang der Staufer (1250).
Justus Leo, Das Werden des deutschen Nationalbewußtseins von der Urzeit bis zur Glaubensspaltung. — Hilfsbücher für Volkshochschulen. — Gotha, Friedrich Andreas Perthes A.-G. 5 M. Aus zweiter Hand gearbeitet, manchmal zu bestimmt behauptend, manchmal zu farblos fchildernd, doch gewissenhaft und neben Joachimsens „Vom deutschen Volk zum deutschen Staat" bei so kurzem Umsang manchem Leser zur Einführung dienlich.
Rudolf Kötzschke, Grundzüge der deutschen Wirtschaftsgeschichte bis zum 17. Jahrhundert. Zweite umgearbeitete Auflage. Grundritz der Geschichtswissenschaft zur Einführung in das Studium der deutschen Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. Herausgegeben von Aloys Meister. Reihe II. Abteilung 1. Leipzig 1921, B. G. Teubner. Die zweite Auflage des gediegenen Grundrisses macht sich nützlich, indem sie die Erlebnisse der in den letzten 15 Jahren erschienenen, oft sehr weitschichtigen Spezialsorschung auf wenige Zeilen zusammendrängt. Aber auch grotze, allgemeinbildende Gesichtspunkte läßt das Buch nicht vermissen, so z. B. bei der Schilderung des wirtschaftlichen Niedergangs unseres Volkes zugleich mit dem geistigen und politischen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts.
R. Heuberger, Allgemeine Urkundenlehre für Deutschland und Italien. — Grundritz der Geschichtswissenschaft — Reihe 1. Abteilung 2a. 1921, Leipzig. Verlag von B. G. Teubner. Kart. 15 M. Ersetzt die in der ersten Auflage von Steinacker verfatzte (Privat)urkunden-
lehre des Mittelalters und spiegelt den neuesten Stand dieser historischen Hilfs-
wissenschas».