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H. Oncken und A. von Wrochem über die Ziele der französischen Rheinpolitik.
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jenigen Völkern wirken, die kein deutsches Land annektiert haben, und werden schließlich die öffentliche Meinung" zu unseren Gunsten stimmen. Auf diefe Möglichkeit weist Wrochem selbst hin (S. 101). Wir müssen in dieser Be­ziehung von den Völkern lernen, die unter langer Fremdherrschaft ihr Volkstum bewahrt und schließlich ihre Freiheit wieder errungen haben, wie Griechen, Serben, Bulgaren, Polen. Gerade das Beispiel Polens kann uns ein Trost sein. Deutschland ist jetzt in der Lage, in der sich Polen zur Zeit seiner ersten Teilung im Jahre 1772 befand, und die Gefahr weiterer Teilungen ist eben­falls vorhanden. Aber eben durch die Teilungen und die Fremdherrschaft ist das polnische Nationalgefühl erstarkt; zugleich gerieten alle Sünden des srüheren Staates in Vergessenheit, und die Polen gewannen eine Sympathie in der öffentlichen Meinung, die sie früher nicht besessen hatten. Die Folge davon ist die jetzige Wiederherstellung ihres Reiches. So dürfen wir Deutschen hoffen, daß unsere gegenwärtige Unterdrückung heilsame Folgen für unsere Nach­kommen haben und eine Auferstehung des Reiches bewirken werde.*)

Weltspiegel.

14. Juli 1922.

Zwei Akte der großen Welttragödie sind schon gespielt worden, erklärte vor einiger Zeit Mr. Bush, der Präsident der Newyorker Handels­kammer. Im ersten Akte war die Bühne ein Schlachtfeld, im zweiten sprachen die Politiker und jetzt gerade spielt man den dritten Akt. Er setzte hoffnungsvoll mit der gesunden Darlegung der Wirtschaftler und Finanz­leute in Paris ein, aber dann griffen die Politiker mit rauher Hand in dieses Spiel und zerstörten alle Aussicht auf schnelle Lösung. Der Höhe­punkt der Tragödie, der vierte Akt, hat seine düstern Schatten voraus- geworfen. Der deutsche Außenminister, Dr. Rathenau, wurde er­mordet. Der Boden, auf dem Nihilismus und Anarchie emporwuchern können, war durch die zwei letzten Akte schrecklich vorbereitet. Das deutsche Volk neigt dazu, sein Dasein in Ruhe und ohne Aufregungen zu verbringen und wäre vielleicht sogar dazu gekommen, die bestehenden Verhältnisse als rechtmäßig und dauernd anzuerkennen, wenn die Alliierten eine vernünftige Politik verfolgt hätten. Dazu hätte aber gehört, daß man dem Spruch der Bankiers gefolgt wäre und nicht die Möglichkeiten außer Acht gelassen hätte, die allein dazu angetan waren, den Fanatismus, der auf dem Boden des Versailler Vertrages hervorwachsen mußte, zu unterdrücken. Eine große Schuld trifft daher die französische Negierung, die es unmöglich gemacht hat, daß die Verhandlungen der Finanzleute in Paris zu einem rettenden Ergebnis gekommen sind. Vielleicht ist durch diese Verzögerung der Mord allein möglich geworden.

Inzwischen haben sich die Wirkungen gezeigt, die durch die Ergebnis­losigkeit der internationalen Anleiheverhandlungen für Deutschland einge­treten sind. Die deutsche Regierung hätte jetzt selbst nach dem Moratorium der Reparationskommission siir das Jahr 1922 nach dem jetzigen Stande der Mark das Dreifache an Papiermark aufzubringen, als nach den schon

Bei Wrochem ist auf S. 35 stattRheingau"Rheinhessen" zu lesen.