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sozialen Stufenleiter frei und zumeist aus eigener Kraft emporzuklettern und auch den anderen ihr Recht werden zu lassen, da auch für sie noch Raum und Erwerb vorhanden ist.
Noch sind wir nicht soweit. Noch herrscht der geistige und materielle Zwang. Aber diese deutschen Arbeiter drängen und stoßen sich in eine Zukunft hinein, in der sie als bewußt dienendes Glied des Ganzen gut mitzuwirken haben.
Die erste amerikanische Kolonie in Afrika.
Von Prof. Dr. R. Hennig, Düsseldorf.
Afrika wies bis jetzt auf seiner riesigen Landfläche nur noch zwei unabhängig gebliebene Staaten ans, die Negerrepublik Liberia an der Küste des Golfs von Guinea und Abessinien. Während der ganze Rest des schwarzen Erdteils als Kolonialland zwischen den europäischen Nationen aufgeteilt ist, haben jene beiden Länder sich bis vor Kurzem eine Politische Unabhängigkeit gewahrt. Von einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit konnte freilich seit geraumer Zeit nicht mehr die Rede sein. Liberia, das sich seit seiner Gründung des besonderen Schutzes und Interesse der Vereinigten Staaten erfreute, das sogar seine Hauptstadt Monrovia zu Ehren seines politischen Vaters, des Präsidenten Monroe, benannt hat, schwamm von jeher stark im amerikanischen Fahrwasser und hatte es Wohl auch diesem Umstand allein zu danken, daß es von dem gesegneten Appetit der europäischen Kolonialreiche als einziger westafrikanischer Bissen verschont geblieben ist. Abessinien dagegen, dessen Bevölkerung stets sehr kriegerisch war und das, als ausgesprochenes Hochgebirgsland, ohnehin nicht leicht für fremde Eroberer zugänglich ist, tmnkte seine politische Selbständigkeit der eignen Kraft, denn die eroberungsgierigen Italiener wurden am 1. März 1896 bei Adua derart gründlich aufs HauPt geschlagen, daß ihnen das Wiederkommen verging. Die wirtschaftliche Durchdringung des Kindes ist freilich von Engländern und Franzosen seit langem so gründlich betrieben worden, daß von einer Selbständigkeit nur bedingt noch die Rede sein kann, zumal da nach des kraftvollen Menelik geistigem Verfall und baldigem Tod die Widerstandskraft gegen die europäische Umklammerung in der Hauptsache gebrochen war, so daß das Land Wohl längst von einem der Nachbarn annektiert worden wäre, wenn nicht die Eifersucht der europäischen Anwärter ihm ebenso, wie dem asiatischen Afghanistan, eine gewisse Unabhängigkeit sicherte.
Für uns Deutsche hatten die beiden Länder, solange wir Weltpolitik treiben konnten, nicht viel zu bedeuten. In Abessinien wurden seit 1906 gewisse Ansätze gemacht, die in der bekannten Gesandtschaft Dr. Roscns zu Menelik ihren Höhepunkt erreichten. Wichtiger noch wurde uns Liberia, wenn auch nur aus ganz bestimmten verkehrspolitischen Gründen. Als es sich nämlich darum handelte, für unser südatlantisches deutsches Kabel, das in unsre westafrikanischen Besitzungen und nach Brasilien verlaufen sollte, eine politische und militärische unverdächtige Zwischenstation in den zumeist noch Westen vorspringenden Küstengebieten Afrikas zu finden, bot sich uns Liberia als einziger zuverlässiger Punkt dar. In der Tat ist denn auch 1910 das genannte deutsche Kabel bei Monrovia gelandet worden. Die dortige deutsche Telegraphenstlltion stellte gleichzeitig sür die Republik Liberia selbst den überhaupt ersten Anschluß an das große Welttelegraphennetz dar. Später haben d»nn