Heft 
81 (1922) 81. Jahrgang.
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241
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Die Grenzboten

Politik, Literatur und Kunst

81. Jahrgang, 24. Juni 1922 Nummer 24

Das erste Gespräch des Prinzen Wilhelm über ein Ende der Kanzlerschaft Vismarcks.

Bon P a u l Haak e.

Noch lebt, 8314 Jahre alt, einer der Getreuesten der Getreuen des Fürsten Bismarck, der ehemalige preußische Finanzminister Adolf vou Scholz, der im Sommer 1890 bald nach der Entlassung des Kanzlers wegen eines Augenleidens auch seinen Abschied nahm. Er hat im vergangenen Winter auf Drängen seines Sohnes seine Erlebnisse und Gespräche mit Bismarck zu Papier gebracht. Das ungemein anziehende Buch ist vor kurzem im Cottcischen Verlage erschienen. Eine der fesselndsten Unterredungen, 'über die es berichtet, ist die mit dem Prinzen Wilhelm über einen Abschluß der amtlichen Tätigkeit Vismarcks gegen Ausgang des Jahres 1887.

Am 17. Oktober 1887 besuchte Scholz den Fürsten in Friedrichsruh. Das Gespräch kam auf die Möglichkeit eines baldigen Todes Wilhelms I. und und des Kronprinzen. Man war fi-ch. einig, daß der Enkel des Kaisers, der dann zur Negierung berufen sein würde, nicht ohne beste Vorbereituug bleiben dürfe; er müsse mindestens noch durch eine mehrmonatliche Mit­arbeit im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten für diese und dann im Finallzlllinisterium an der Hand des Etats für das Innere vor­bereitet werden. Scholz sagt:So geschah's auch, und gegen den Herbst des Jahres nahm Prinz Wilhelm nach beendeter Mitarbeit im auswärtigen Miuisterium die ihm noch obliegende im Finanzministerium auf. Es wurde ihm da nach den näheren Angaben seines Adjutanten ein passendes Zimmer eingerichtet lind Art und Weise seiner Mitarbeit nach Zeit und Mitteln mit ihm selbst vereinbart. Demgemäß kam er in der Woche mehrere Male von Potsdam, wo er noch weiter als aktiver Offizier im Gavde- husareuregiment Dienst tat, nach Berlin und beehrte nuu das Fincinz- lniuisteriuiu, teilnehmeud an den Sitzungen und an Arbeiten einzelner Räte, alles nach sorgfältiger Beratung und Vereinbarung, so daß die Aufgabe, wie mir schien, nach beiden Seiten eine liebe lind will­kommene war."