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Energieaustausch.
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Kraftleitungen erreicht, die ihrerseits an die badische Industrie und die elsäfsischen Werke Strom abgeben. Die Idee einer Mittel­europäischen Sa m m e l s ch i e n e, die die Wasserkräfte des' Alpen­gebiets sammelt, und in die Ebenen des Nordens und Südens hinableitet, ist damit ihrer Verwirklichung näher gekommen. Das Gefühl der wirt­schaftlichen Zusammengehörigkeit der mitteleuropäischen Länder, der Ge­meinsamkeit ihrer wirtschaftlichen Interessen und, daraus resultierend, die Verkehrsfragen, wozu auch die Fragen der Kraftleitungen gehören, ein­heitlich zu behandeln, wird dadurch zweifellos eine bedeutende Vertiefung erfahren.

Trotzalledem müssen wir uns als Techniker auch die Schwierigkeiten vor Augen halten, die der Ausführung derartiger Werke weniger aus teck- nischen,'als vielmehr aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus im Wege stehen. Die Energieversorgung eines Volkes ist heute eine Lebensfrage für dessen Wirtschaft. Ohne Energie ist in unserem dichtbevölkerten europäischen Industrieländern die Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens auch nur für kürzeste Zeit unmöglich. Das haben wir ja während der häufigen Elektrizitätsstreiks in den letzten Jahren am eigenen Leibe empfunden, wo schon kurze Unterbrechungen der Stromversorgung unser Leben und unsere Gesundheit bedrohten. Wenn wir daher uns in größerem Umfange darauf einrichten würden, elektrische Energie aus Länder zu beziehen, die nicht innerhalb des Bereiches unseres Staatswesens liegen, so ist die Gefahr einer Unterbrechung dieses Lebensstromes nicht von der Hand zu weisen. Weitgehende Garantien und Reserven im eigenen Lande müßten darum vorhanden sein.

Wenn darum auch die Verwirklichung der europäischen Sammelschicne vorläufig erst in einer, ferneren Zukunft zu erwarten ist, so wollen wir doch Bedenken, daß hier die Technik in Politik und Wirtschaft einen neuen Gedanken hereingebracht hat, der vielleicht beim wirtschaftlichen Wieder­aufbau einst sich fruchtbar erweisen wird: der Gedanke, der Verpflichtung der Völker zur Gemeinschaftsarbeit zur Auswertung von Naturschätzen.

Weltspiegel.

14. Juni

Dem österreichischen Ministerium Seipel ist eine un­geheure Verantwortung aufgebürdet. Es steht denselben Schwierigkeiten gegenüber wie das vorangegangene Kabinett, ohne an Mitteln reicher zu sein. Aber wie man von allem Neuen etwas besseres erwartet, so hofft man von ihm, daß es ihm gelingen wird, die Folgen der Fehler und Irrtümer der früheren Regierung auszugleichen und wenigstens einen notdürftigen Ausgang aus den Drangsalen dieser Zeit zu finden. Als heiß ersehntes Ziel steht der großdeutschen Partei Oesterreichs immer der Anschluß an das Deutsche Reich vor Augen, und gerade das soll nach dem Willen der Entente, wie er in Versailles und St. Germain festgelegt worden ist, unter allen Umständen verhindert werden. Die Anschlußfrage ist nur eine der großen Fragen, die die alliierten Mächte in den Friedensschlüssen in ihrem Sinne regeln wollten und bei denen sie verleitet durch Haß