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Energieaustausch.
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Energieaustausch.

Von Dr. Jng. Georg Sinner (Berlin).

Die Technik ist international, heißt es. Doch ist dieser Satz nur bedingt richtig, denn die Technik wurzelt in der Arbeit des Ingenieurs, ist ab­hängig von der technischen Begabung und dem Charakter der Bewohner eines Landes und schließlich auch von den natürlichen Voraussetzungen der Volkswirtschaft, die die technischen Aufgaben stellt und auf Grund der vor­handenen Energievorräte und Rohstoffe bestimmte Wege zu ihrer Lösung , weist. International ist die Technik insofern, als ihre Erzeugnisse nicht an der Landesgrenze Halt machen, fondern der ganzen Menschheit dienen.

Nicht in gleichem Umfange stehen den Völkern der Erde die technisch wichtigen Rohstoffe und die Mittel zu ihrer Bearbeitung, die Energieträger, zur Verfügung. Ein reger Austausch wirtschaftlicher Güter ist daher im Interesse des technischen und kulturellen Fortschrittes der Menschheit not­wendig, und die Technik erleichtert diesen Austausch dadurch, daß sie Ver­kehrsmöglichkeiten schafft bzw. verbessert.

Der Gedanke der Verknüpfung der verschiedenen Völker durch die technischen Mittel hat in den letzten Jahren eine eigenartige Erweiterung erfahren. Tauschte man bisher im wesentlichen nur Güter und vielleicht noch Gedanken und wissenschaftliche Ideen aus, so entwickelt sich jetzt ein Austausch von Energie, der das Band zwischen den Völkern enger zu knüpfen in der Lage fein kann.

Energievorräte find die Grundlagen der tech­nischen Arbeit; hierauf ist es zurückzuführen, daß im vergangenen Jahrhundert, das eine ungeahnte Blüte der Industrie gebracht hatte, die industriellen Arbeitsstätten in erster Linie in der Nähe der Kohlen­vorkommen entstanden sind. Das rheinisch-westsälische Industriegebiet, Oberschlesien, die englischen Industriezentren find dafür ein Beweis. Kohle war damals der einzige Energieträger, der es gestattete, große Mengen mechanischer Energie zu gewinnen. Um die Transportkosten zu sparen, hatte man daher die Fabriken möglichst nahe an die Kohlengruben gelegt. Mit der zunehmenden Erkenntnis der Verwendungsmöglichkeit der Elektrizität und dem Ausbau der elektrotechnischen Industrie erwuchs aus dem strömenden Wasser ein neuer Energieträger: die wasserreichen Gebirgsgegenden Mitteleuropas, vor allem der' Alpen, stellen Kraftquellen vor großer Bedeutung dar. Unter dem Zwang des Krieges und der Not zur Nachkriegszeit ist man dazu übergegangen, in stärkerem Umfange als bisher die Weiße Kohle der Wirtschaft dienstbar zu machen. Die Schweiz und Deutsch-Oesterreich, zwei der wenigen Länder, die aus ihren Wasser­kräften nahezu den gesamten Energiebedarf ihrer Wirtschaft decken können, ferner Italien und Deutschland in ihren Alpengebieten haben große Pläne zur Wasserkraftnutzung in die Wege geleitet.

Technische und wirtschaftliche Probelme schwerwiegender Art werden damit aufgerollt. Die industrielle Lage Europas kann sich dadurch wesent­lich verschieben. Waren früher die Jndustrieunternehmungen an der Kohlenbasis angesiedelt, so kann jetzt die Notwendigkeit auftreten, sie näher an die Wasserkraftwerke heranzubringen. Zwar' gestattet der elektrische Strom im hochgespannten Zustande einen weiten 'Transport bis zu