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Genieingeist noch lebendig ist, die Anfangsstärke hat er nicht mehr und kann er'nicht mehr haben nach einer 200 Jahre langen Entwicklung.
Diese Erfahrung, die die Brüdergemeine als sozialer Organismus gemacht hat, ist nun 'deswegen interessant, weil sie mit aller Deutlichkeit zeigt, daß Sozmlismus irgendwelcher Art nur da wahrhaft und nur so weit möglich ist, als eine Idee alle Glieder, einer Genossenschaft so stark beherrscht, daß ihr Lebendigsein bis zum letzten Handgriff spürbar rst. Wo aber ist ein weltliches Gemeinwesen, das alle seine Angehörigen so unter den Bann eines Gedankens stellen kann, daß sie dauernd in allen ihren Handlungen im Dienst diese Gedankens stehen? Das gibt es nicht. Wo es das gäbe, da wäre es eben kein Weltliches Gebilde mehr, sondern Reich Gottes auf Erden. Ein Stück d«von zu sein oder zu werden, war und ist darum das Ziel der Brüdergemeine. Und nur soweit das ist, ist sie Wirklichkeit gewordener Sozialismus.
Der Philosophentag in Halle.
(Eigener Bericht.)
Von Dr. Otto Freitag.
In der Pfingstwoche tagte in Halle a. S. nach zweijähriger Pause wieder die allgemeine Mitgliederversammlung der Kant-Gesellschaft, die sich jetzt zu der größten philosophischen Vereinigung der Erde ausgewachsen hat. Der äußerst zahlreiche Besuch, die Fülle bekannter Namen gaben Zeugnis von dem schnellen Anwachsen der Kant-Gosellschast: gleichzeitig boten sie ein getreues Spiegelbild des ständig zunehmenden philosophischen Interesses unserer Zeit. In den letzten Jahren haben sich in einer Reihe von deutschen Städten Ortsgruppen gebildet, deren Tätigkeit sich bis in die Kleinstädte und auf da flache Land erstreckt. Es entstanden Ortsgruppen in Holland und Japan. Sieben japanische Philosophieprofessoren weilten als Gäste bei der Hallischen Tagung. Im Namen der holländischen Wissenschaft überreichte Prof. Groeuewegen-Amsterdam 100 000 M. zur Unterstützung der veutschen philosophischen Wissenschaft zum Zeichen dafür, „wie viel man in Holland dem deutschen Geist, der deutschen Wissenschaft und Philosophie zu verdanken habe".
Es besteht schon seit einiger Zeit die Absicht, die Mitgliederversammlungen der Kant-Gesellschaft zu einem allgemeinen Philosophenkongreß überhaupt auszubauen, der dann alle kleineren Gesellschaften mit umfassen soll, wie z. B. die Schopenhanergesellschaft, den Euckenbund usw. Leider hat einstweilen die Verwirklichung dieses wünschenswerten Zusammenschlusses aller philosophischen Bestrebungen wegen Mangels an geldlichen Mitteln noch nicht durchgeführt werden können.
Im Anschluß an die Gallische Tagung findet die Gründung der Ortsgruppe Nürn>bero-Fürth--Erlangen statt, gleichzeitig die Eröffnung einer Akademie für Philosophie auf dem Burgberg zu Erlangen, für die Dr. Rolf Hosifmann- Erlcmgen das fertig eingerichtete Haus in großherziger Weise gestiftet Hai. Diese Akademie soll ein Zentrum philosophischer Studien werden.