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81 (1922) 81. Jahrgang.
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217
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Die Grenzboten

Politik, Literatur und Kunst

81. Jahrgang, 17. Juni 1922 Nummer 23

Der Bur in Kultur und Weltwirtschaft.

Von einem alten Afrikaner.

Süd-Afrika ist eins der wenigen Länder, dessen Sorgen noch mehr seiner innerpolitischen Entwicklung, als seiner wirtschaftlichen Lage gelten. Es vollzieht sich dort unter eigenartigen Verhältnissen eine völkische Um­bildung, die unserem Verständnisse fern liegt, aber letzten Endes geeignet ist, die Beziehungen Europas zu seinem großen Rohstosfmagazin Afrika in entscheidender Weise zu beeinflussen.

Die handelnden Personen in diesem Schauspiele sind der afrikanische Eingeborene, der einwandernde Asiate, der Engländer, der Bur und in einer noch recht bescheidenen Nebenrolle der Deutsche.

Obgleich die Buren die meiste Kulturarbeit in Süd-Afrika vollbracht haben, ist man bei uns über sie noch wenig unterrichtet. Teils hob man sie als freiheitsdurstige Helden in den siebenten Himmel, teils schimpfte man sie Weiße Kaffern. Sie richtig einzuschätzen ist nur möglich unter Berück­sichtigung ihrer Stammesveranlagung, des Klimas, unter dem sie leben, und ihrer Geschichte.

Bekanntlich sind sie Nieder-Deutsche, die gleichzeitig nach dem Kap gewanderten französischen Hugenotten und zahlreiche Deutsche anderer Stämme sind m ihnen aufgegangen. Schon unter den Gouverneuren der holländischen ostindischen Kompagnie waren sie nicht auf Rosen gebettet. Die englische Besitznahme des Kaplandes im Jahre 1815 brachte ihnen aber unerträgliche Leiden und veranlaßte das Volk zu dem, in der neueren Geschichte einzig dastehenden heroischen Entschlüsse, seine gesamte un­bewegliche Habe'im Stich zu lassen und über den Oramje in ein nur dürftig erkundetes Land zu ziehen, um dort einen neuen freien Staat mit einem eigenen Ausgange zur See zu gründen.

Die ganze Zeit vom Beginn der großen Trekks 1836 bis zum Frieden von Vereeniging 1902 ist gekennzeichnet von diesem Streben, dessen schließ­licher Mißerfolg an dem Mangel an völkischer Disziplin lag» der den Buren, wie allen Deutschen, zu Gunsten einer starken Betonung der Eigenart nun einmal im Blute steckt. Er fand keinen Ausgleich in der Anhänglichkeit an eine ererbte Dynastie, sondern wurde noch besonders begünstigt durch die