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täuschungen den herben Satz gezogen: „Deutschland kann nur durch Deutschland gerettet werden."
Dreiundzwanzig Jahre lang hat England die Revolution und Napoleon bekämpft; es konnte von dem angeblichen Krieg sür die Freiheit der Welt gar nicht genug kriegen. Gott segnete diesen britischen Krieg durch sin beispielloses Wachsen des Wohlstandes; keine serne unbewachte Kolonie, welche die Vorsehung nicht den Briten zugedacht hatte, kein Schmuggel- Handel in der Ostsee, an dem sie nicht verdienten. Wo aber blieb die englische Hilfefür das Festland in Not?
Der warmherzige Zar Alexander, dessen Schwur an Friedrichs des Großen Sarg jedes Preußenherz rührte, teilte in Tilsit mit dem Cäsar des Westens die Welt und brachte aus Erfurt den sehnsüchtig wartenden Preußen einen Nachlaß von 20 Millionen mit auf eine Kontributionenmilliarde, die trotz verzweiflungsvoller Steuern (jetzt wurden harte Steuern endlich nachgeholt) unerfüllbar blieb. Unter den unwahrscheinlichsten Umständen lernten nun die Deutfchen auf sich selber stehen. Zwar ging es nicht ohne fremde Hilfe und Anlehnung, aber das Geheimnis der Initiative mußte bei denen liegen, denen Hilfe am meisten not tat. So hat Gneisenau, der am Beginn seiner Laufbahn in Kolberg 1807 vergeblich nach britischen Landungstruppen ausgeschaut hatte, in seiner vorletzten Schlacht, bei Ligny, 1815, Wohl begriffen, daß der Preuße sich auch einmal dem Verlust einer Schlacht aussetzen muß, wenn es gilt, gelandeten englischen Hilfstruppen Vorwand und Gelegenheit zu nehmen, sich auf ihre Schiffe zurückzuziehen. Und der Freiherr vom Stein, als er 1812 in Petersburg auftreten mußte, um zu verhüten, daß der russische Kaiser wieder verdarb, was der russische Winter gerade gut machte, er hatte sich viele Illusionen aus dem Sinn gescheucht, als er damals in größter Gefahr zum treuen Arndt das heitere Wort sprach:
„Ich habe mein Gepäck im Leben schon drei-, viermal verloren: man muß sich gewöhnen, es hinter sich zu werfen; weil wir sterben müssen, sollen wir tapfer sein".
Das Verhängnis des Geldumhns.
Von Prof. Dr. H. G. H o lle (Vsgesack).
In einem früher (18. März 1922) in den „Grenzboten" erschienenen Aussatz „Geldentwertung" hatte ich ausgeführt, daß der in einem Lande herrschende Preis der Waren abhängig ist von der vorhandenen oder, genauer gesprochen, zur Verfügung stehenden Warenmenge einerseits nnd von der vom Staate durch Geldzeichen oder andere Bescheinigungen (Buchungen) anerkannten Menge der Ansprüche an Wert anderseits. Unsere heutige Geldentwertung bezeichnete ich als die Folge der Mindererzeugung von Ware bei gleichzeitiger ständig fortschreitender Vermehrung' der Ansprüche daran.
Diese dem biologischen Denken selbstverständliche Anschauung ist keineswegs allgemein anerkannt; wenigstens handelt man so, als wenn sie falsch wäre. Meine schon feit lange gemachten Versuche, sie zur Geltung zu